Mit einer der teuersten Tarifstrukturen in Deutschland verhindert OWL den Umstieg vom Auto auf die Bahn

OWL, Westfalen (gibt’s das überhaupt als reale verwaltungspolitische Einheit?) oder NRW? Wer für das Monster-Reförmchen des ÖPNV im Osten NRWs letztendlich verantwortlich ist, kann in dem Labyrinth der (politischen) Kompetenzen nur schwer ermittelt werden. Das Wirrwarr überträgt sich jedenfalls nahtlos auf die Preisstruktur und zwar in erster Linie in der Form von grotesk überzogenen Preisen und der Wahlmöglichkeit „Alles, oder zu wenig“ für Menschen die in erster Linie in OWL unterwegs sind, also im Regierungsbezirk Detmold für den wir folgendes feststellen:

Es gibt immer noch keine Monatskarte für Gesamt-OWL, sondern man entscheidet sich entweder für den bisherigen „Sechser“-Bereich (jetzt Teuto-OWL – also die Kreise Lippe, Herford, Minden-Lübbecke, Gütersloh und die Stadt Bielefeld) der „Preisstufe 7“ (jetzt 7W, was wohl für Westfalentarif steht) zum Abo-Preis von sagenhaften €190,70 – oder gleich für GANZ Westfalen (12W), also von der Weser bis an die Holländische Grenze und von Minden bis Dortmund für €241,70. Während letzteres also vergleichsweise attraktiv erscheint, bleibt das Monatsabo 7W unerschwinglich für die meisten Menschen in OWL, die Ihre Mobilität umweltfreundlich und an ihren Bedürfnissen ausrichten wollen.

Denn es stellt sich hartnäckig die Frage, ob die, dieser Preisstruktur zugrundeliegende, Einschätzung des Kundenverhaltens realistisch ist. Bielefeld und Paderborn sind für OWL die Oberzentren, zu denen sich die meisten Menschen hin orientieren, sei es zur Arbeit, zur Uni, oder zum Schoppen. Es dürften wohl eher wenige von Detmold nach Coesfeld pendeln, oder zum Einkaufen fahren.

Doch über all diesen Überlegungen schweben ohnehin die, seit Jahrzehnten offenbar klaglos hingenommenen, exorbitanten Preise für Einzel- und Monatstickets. Der vergleichsweise moderate Preis für das Westfalentarif-Gesamtnetz kann nicht über die insgesamt inakzeptablen und – man muss es immer wieder sagen – ungerechten Preise hinwegtäuschen. Mit €190,70 ist das Monatsticket W7 vier Mal teurer, als das Monatsticket der vergleichbaren Region Freiburg. Man stelle sich vor, was los wäre, wenn die Autos oder das Benzin in OWL vier Mal teurer wären, als in der Region Freiburg…

Die Situation zeigt, wie wenig den politisch verantwortlichen in NRW und in der Region die umweltfreundliche Mobilität ihrer Bürger am Herzen liegt. Und es gälte in der Tat juristisch zu klären, ob solche erheblichen Benachteiligungen einer Region bei der Mobilität überhaupt rechtens sein können. Gerecht sind sie in jedem Fall nicht.

Dass es ganz in der Nähe auch anders geht, kann man im Landkreis Hameln-Pyrmont erleben. Während die Einführung des „Westfalen-Tarifs“ wie selbstverständlich dafür benutzt wurde die Monatskarten-Preise der Preisstufe 7 weiter anzuheben, geht man in Hameln-Pyrmont andere Wege, mit erwartbaren Resultaten. Die „Neue Woche“ aus Hameln schreibt dem 1. Kreisrat des Landkreises Hameln-Pyrmont, Carsten Vetter, die Aussage zu, dass sich der Verkauf von Monatskarten, direkt nach der Einführung der neuen Tarife, verdreifacht hat.

Der Geschäftsführer der „Öffis“, Arne Behrens, wird in der „Neuen Woche“ so zitiert: „Zurzeit gehen wir aufgrund von Befragungen unserer Mitarbeiter von rund 20 Prozent Neukunden aus. Monatskarten und Abo haben nicht nur hinsichtlich der Stückzahl, sondern auch bei den Einnahmen deutlich zulegen können. Es handelt sich mindestens um eine Verdopplung der geplanten Einnahmen. Wenn sich die Entwicklung so fortsetzt, haben wir bei Monatskarten und Abo die Chance, die 1 Millionen-Euro-Marke zu knacken“.

Während also in Hameln-Pyrmont die Preise für Zeitkarten um 50% gesenkt wurden, kennen sie in OWL nur eine Richtung: nach oben. Die Preisstufe 7 ist im August immerhin um ca. 3% teurer geworden. Die Fahrrad-Monatskarte sogar um 33% von €20.- auf €30.- !  Warum die Lage so ausweglos ist, darüber darf man gerne spekulieren, aber die zum Teil auf Verschleiß fahrenden Eisenbahnen und die immer weiter zurückgebaute Schieneninfrastruktur, dürften einen, durch preiswerte Monatskarten ausgelösten, Ansturm der Fahrgäste kaum bewältigen. Systematisch und vermutlich mutwillig wurde kostbare Infrastruktur zu Gunsten des Autoverkehrs jahrzehntelang vernachlässigt. In dieser Gewohnheit hat man sich offenbar eingerichtet. So werden z.B. Bahnhöfe zu „Haltepunkten“ rückgebaut, weshalb Verspätungen immer schlechter auszugleichen sind. Und anstatt alles nur erdenklich Mögliche zu tun, um im Sinne der ehrgeizigen, aber in diesem Lichte völlig unrealistischen, Klima- und Umweltschutzziele unserer Regierungen, den ÖPNV in das 21. Jahrhundert zu bringen, befindet man sich eher auf dem Niveau der 70er Jahre.

Was die Software im Diesel-Skandal zum Hardwareproblem der Autos ist, das ist der Westfalen-Tarif zum Eisenbahn-Infrastruktur-Problem der Region.

Tagpfauenauge in den Lavendelfeldern bei Fromhausen


Seit vier Jahren lebe ich in Detmold. Als ich hierher zog war mein größter Wunsch möglichst naturnah zu wohnen. Bäume wollte ich sehen, nachdem ich dem Berliner Steindschungel entkommen war, und Ruhe von Verkehrslärm wollte ich auch. Beides habe ich gefunden.

Im Grunde genommen ist meine Wohnung in der Nähe des Dolzer Teiches die Quadratur des Kreises. Mit dem Fahrrad bin ich von dort in weniger als 5 Minuten auf dem Marktplatz und kann das durchaus urbane Detmolder Stadtleben mit seinen vielen schönen Cafés, Geschäften und kulturellen Einrichtungen genießen. Wenn ich zu Hause bin, dann sehe ich von meinen Fenstern aus nichts als Bäume und eine wunderbare Parklandschaft direkt um mich herum. Nachts herrscht, spätestens ab Mitternacht, meist aber schon um einiges früher, völlige Stille. Im Sommer öffne ich nachts meine Fenster auf allen Seiten sperrangelweit. Es ist so still, dass man keinen Unterschied hört, ob die Fenster geschlossen sind, oder weit geöffnet. Und das so nah an der Innenstadt! In Berlin ein unvorstellbarer Gedanke, egal ob man eine Wohnung im Hinterhof, im Vorderhaus oder „JWD“ bewohnt. Irgendetwas dröhnt immer. Wenn es keine Autos sind, dann eine Eisenbahn, die Touristen oder die vielen Flugzeuge, die Berlin ein Dauerdröhnen bescheren.

Am Ende des ersten Sommers mit offenen Nachtfenstern wurde mir plötzlich klar, dass ich nicht einen einzigen Mückenstich erlitten hatte, was mich stutzig machte, ist doch der Dolzer Teich gerade einmal 150m entfernt. Zudem wachsen mir die Bäume fast schon in die Wohnung und unter der Baumwand auf der anderen Seite des Rasens ist ein immer feuchter Humus und Blätterteppich, vor allem in diesem letzten Sommer. Auf dem ungedüngten Rasen grasen das ganze Jahr, tagaus tagein, die Amseln und oft stehen unter den Birken große Pfützen.

Aber auch andere Insekten verirren sich kaum in meine Wohnung. Irgendwann mal eine Spinne, neben den Weberknechten, die sich in den Ecken immerhin als Dauergäste eingefunden haben, genau wie die obligatorischen Stubenfliegen im Hochsommer, die endlos um meine nicht vorhandene Schlafzimmerlampe kreisen. Auch an eine Hornisse auf Stippvisite erinnere ich mich dunkel.

Gleichzeitig mit meiner verwunderten Beobachtung trudelten die ersten Meldungen über das Insektensterben ein, das wohl erst mit der neuesten Erhebung so richtig amtlich sein will. An einen Bericht aus der Uckermark bei Stabeshöhe erinnere ich mich, was mir besonders verwunderlich erschien, sind doch die Seenlandschaften und Wasserlöcher ohne Mücken undenkbar. Und in der Tat wurden in den Wasserlöchern extrem hohe Pestizidwerte gefunden, die ein Zigfaches über den Grenzwerten lagen.

Nun mag man sich fragen, was beschwert sich der Mann über einen ruhigen mückenlosen Schlaf bei frischester Luft? Zumal es ja auch nicht so ist, dass lästige Insekten gar kein Thema mehr wären. Vergesse ich einmal, was selten vorkommt, meine Sonnenbrille beim Radfahren, dann finden winzige fliegende Insekten IMMER zuverlässig mindestens eines meiner Augen. Und in der Tat ist es ein himmlisches Gefühl nachts im eigenen Bett dem Atem der Natur so nahe zu sein, ohne von Mücken in den Wahnsinn getrieben zu werden.

Doch kann wohl so nur denken, wer den größeren Zusammenhängen völlig gleichgültig oder ahnungslos gegenübersteht. Denn wer keine Insekten haben will, der mag wohl auch keine Vögel und keine Früchte, die von Insekten bestäubt werden. Aber wie immer wenn sich Wissenschaftler mit Warnungen an die Bevölkerung wenden melden sich natürlich prompt die Leugner und Abwiegler zu Wort, wie z.B. Manfred Uhlemann (Video 1:17) vom sächsischen Bauernverband. „Vom Insektensterben will er nichts wissen“ sagt die Deutsche Welle. „Aus meiner Sicht größter Blödsinn, denn wir haben immer wieder ein Auf- und Ab der Populationen der einzelnen Tierarten“, sagt er selbst. Das mag so sein, doch wird eine ganze Phalanx von Wissenschaftlern diese Effekte sicherlich mit in Betracht ziehen, genau wie die Klimawissenschaft zwischen Wetter und Klima unterscheidet.

Und so kann man einzelne Warnungen in den Wind schlagen und „die Dinge gelassen sehen“. Doch die sich verdichtenden Warnungen seit dem Report des „Club of Rome“ von 1972, mit dem Titel „Die Grenzen des Wachstums“ ignoriert nur wer zu bequem ist sich Gedanken zu machen und den kommenden Generationen den „benefit of the doubt“ verweigert – den „Vorzug des Zweifels“, bzw. den Zweifel zu Gunsten derer, die sich heute noch nicht verteidigen können.

Und selbst wenn es nur eine Wahrscheinlichkeit von 10% gäbe, dass wir für die ganzen Umweltprobleme verantwortlich sind, würden vernünftige Menschen versuchen dieses Risiko auszuschließen, so wie sie es tun, wenn sie eine Rechtsschutzversicherung abschließen, den Fuchsbandwurm vermeiden oder ein Datenbackup machen. Während wir bei solchen, vergleichsweise trivialen, Dingen geradezu mimosenhaft vorsichtig sind, spielen wir mit unseren Lebensgrundlagen russisches Roulette. Vielleicht versuchen Sie es ja mal: ein Zehnermagazin mit nur einer Kugel. Wie beherzt drücken sie ab?


Umgehungsstraßen zerstören das Lippische Landschaftsbild zunehmend. B238 bei Lemgo


Das Umweltinstitut München berichtete in den letzten Tagen über die kleine Anfrage der Grünen im Bundestag zum massiven Vogelsterben in Deutschland. Hauptverursacher ist die pestizid- und herbizid-basierte industrielle Landwirtschaft. Ganz vorne mit dabei OWL, wo mit 5% der schon sehr magere landwirtschaftliche Bio-Anteil im Bund von 6,5%  noch einmal deutlich unterschritten wird.

Dazu kommt der ungebremste Wille der Kommunen in OWL ihre stadtnahen Biotope durch Umgehungsstraßen zu zerstören und immer neue Gewerbeparks auszuweisen. Die Nordrhein-Westfälische Zersiedlungspolitik wird vom Regierungsbezirk Detmold sogar vehement eingefordert. Die zarten Bemühungen der abgewählten Rot-Grünen Regierung in Düsseldorf, die Flächenneuversiegelung nur leicht zu bremsen, wurden in der Version 1 und Version 2 der so genannten „Detmolder Erklärung“ auf das heftigste gegeißelt. Ganz NRW, so wird in diesen Dokumenten gefordert, solle zu einer „Metropolregion“ erklärt werden.

Wo auf der einen Seite neue teure Umgehungsbollwerke („Boulevard“) geschaffen werden, die einer Verkehrsreduzierung für den Klimaschutz direkt entgegenarbeiten, werden alte ländliche Feldwege beseitigt. Ein Jäger aus dem zentralen Lippe, der namentlich nicht genannt werden will, berichtete der Redaktion, dass ein Bauer in seinem Jagdrevier einen alten Feldweg untergepflügt hatte, der bis dahin zwei Dörfer miteinander verband. Ohne bedeutende Konsequenzen. Der Landwirt sollte als Ersatz lediglich ein paar Bäume pflanzen, wobei nicht ganz klar ist wie einem Fußgänger, Wanderer oder Radfahrer, der nun einen großen Umweg auf sich nehmen muss, durch das Pflanzen von ein paar Bäumen geholfen wird. Das Phänomen ist auch den Umweltverbänden bekannt, aber die Art der Ahndung dieses Verhaltens seitens der Agrarindustriebetriebe, dürfte bei vielen Mitgliedern Kopfschütteln auslösen.


Links:

Untergepflügte Feldwege: Landwirt muss sie wieder herstellen oder ausgleichen

Landwirtschaft in Sachsen-Anhalt: Nabu kritisiert Unterpflügen von Feldwegen

Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Grünen

www.umweltinstitut.org/fileadmin/Mediapool/Aktuelles_ab_2016/2017/2017_05_05/Antwort_der_Bundesregierung_auf_Stummer_Frühling_-_Verlust_von_Vogelarten.pdf

 

Gefährdung des Radverkehrs in Detmold-Hohenwart (Barntruper Straße)

Detmold an einem Maiabend. Vor dem Rathaus stehen drei Streifenwagen der Polizei, die gelangweilt eine Demonstration von ca. 10 Personen bewacht. Wie so oft, wenn nicht viele Menschen in der Fußgängerzone unterwegs sind, fahre ich hier mit dem Fahrrad und in einer halben Stunde ist es ohnehin ganz offiziell erlaubt. In vielen Städten Deutschlands ist das mittlerweile ganztägig der Fall.

Einer der gelangweilten Polizisten wird auf mich aufmerksam und heißt mich abzusteigen oder 10 Euro Bußgeld zu bezahlen. Ich sage ihm, dass ich für das Vergnügen, hier Rad zu fahren, gerne 10 Euro bezahle – und was ich von Verfolgungseifer gegen Radfahrer an diesem Ort halte. Er nimmt meine Personalien auf, und ich radle weiter zum Schlosspark.

Eine Woche später erhalte ich eine „Schriftliche Verwarnung mit Verwarnungsgeld / Anhörung“ und einer „Rechnung“ über 20 Euro, die ich mit einer Stellungnahme und einer Zustimmung zur Zahlung des Bußgeldes beantworte. Eine weitere Woche später erhalte ich einen Bußgeldbescheid über €43,50 bei dem allein die nicht näher beschriebenen „Gebühren“ 25 Euro betragen…

So weit die bürokratische Realität. Die politische ist allerdings noch viel trostloser. Während die Stadt Detmold an vielen ihrer Straßen RadfahreInnen und FußgängerInnen per Beschilderung auf gemeinsame Wege ZWINGT, führt sie ausgerechnet in der Fußgängerzone einen hartnäckigen Kampf gegen diese traute Zweisamkeit. Die „Kreispolizeibehörde Lippe“ lässt sich offenbar willig für diesen Kampf einspannen. Andernorts ist sie nicht so dienstbeflissen. Wenn es z.B. um die gemeinsamen Rad-Fußwege an den Ausfallstraßen geht, dann werden ganze Schwärme von dort rechtswidrig abgestellten Autos ignoriert und zuständig ist dann plötzlich das Ordnungsamt, obwohl es sich um eine erhebliche Gefährdung des Fuß- und Radverkehrs an diesen Stellen handelt. Radfahrer müssen auf die Straße ausweichen und Kinder zwängen sich auf dem Schulweg und beim Spielen an den Autos vorbei.

In seiner Selbstdarstellung gibt sich der Kreis Lippe die Bezeichnung „fahrradfreundlich“. In seiner „Hauptstadt“ hegt man, entgegen aller Rhetorik, eine verbissene Antipathie gegen Radler. Das zeigt sich nicht nur in der Jagd auf RadlerInnen in der Fußgängerzone, sondern auch an der Situation insgesamt. Obwohl Lippe gerne seine Verbindung zum Niederländischen Königshaus erwähnt, ist dessen lippische Verwandschaft, im Bezug auf den Radverkehr, doch eher eine bucklige.


…„…Unser Ziel ist es deshalb im Kreis Lippe den Anteil der Fahrradfahrer deutlich zu erhöhen…“…
Landrat Dr. Lehmann zur Radverkehrsförderung im „fahrradfreundlichen“ Kreis Lippe

https://www.youtube.com/watch?v=6NbH23Y7_3Y

Gerne wird von „konservativen“ Parteien das Wort „Leitkultur“ bemüht, doch ganz offenbar ist dies ein Begriff den sie sehr selektiv benutzen. Wenn es nämlich um den Erhalt der einstmals besonders reizvollen lippischen Kulturlandschaft geht, dann steht diese einem hemmungslosen Ausverkauf zur Verfügung. Keine Idylle, kein Naturschutzgebiet, kein Naherholungsgebiet ist vor dem sicher was die Mehrheit der lippischen PolitikerInnen für „Fortschritt“ hält und man fragt sich was die Konservativen denn so konservieren. Vermutlich eben dieses seit mindestens drei Jahrzehnten überholte Konzept von „Fortschritt“.

Traditionen der Baukultur und Landschaftspflege, die in nicht unerheblichem Maß identitätsstiftend wirken, wie man zahllosen Werken der deutschen Literatur entnehmen kann, gelten nicht viel, wenn neue Steuereinnahmen winken. Aber wie befahl Mario Adorf, in seiner unvergesslichen Rolle des Generaldirektor Haffenloher in der Serie „Kir Royal“, den Lakeien nachzusprechen: „Geld regiert die Welt und für Geld mach ich alles“. Eine Botschaft, die in Lippe offenbar auf fruchtbaren Boden fällt.

Ob am Oetternbach in Jerxen-Orbke, am Radsieksbach und der Ilse in Lemgo, oder an der Berlebecke in Hornoldendorf, oder am nun bereits verschwundenen Scherenkrug in Oerlinghausen und vielen weiteren Bauvorhaben: überall droht die Vernichtung von Kultur und Natur für eine Politik, die im Jahr 2018 immer noch nicht begriffen hat, dass die Fläche Lippes noch begrenzter ist, als die Natur und die Ressourcen unseres Planeten.

Ewiges Wirtschaftswachstum ist eine Illusion, doch die Lipper möchten noch schnell ein letztes Opfer bringen, bevor der Ökozid perfekt ist. Eine Art anti-ökologischer Volkssturm in Erinnerung an die goldenen Zeiten des Wirtschaftswunders. Die Devise heißt: „Immer noch mehr!“ Und was ist schon ein Naturerlebnis gegen das Shoppingerlebnis im neuesten Shoppingparadies?

Über Alternativen zur Zersiedelung, durch immer neue Gewerbegebiete, und zu einer völlig verkehrten Verkehrspolitik machen sich die Stadträte ungern Gedanken, denn das hieße dicke Bretter bohren und Phantasie zulassen, oder gar von den Partnerstädten lernen. Die Detmolder Partnerstadt Hasselt ist weltberühmt, nur weiß das fast niemand in Detmold und schon gar nicht wofür. 1997 wurde dort der kostenlose Busverkehr eingeführt, mit hervorragend positiven Effekten für die Stadt. In Detmold und in Lippe ist das natürlich keine Option, denn hier ist man vor allem gut darin Gründe zu finden, warum etwas NICHT funktionieren kann. Stattdessen erfreuen wir uns daran in der so ziemlich teuersten ÖPNV-Region Deutschlands zu leben. Hier beschwert sich niemand dass er fünf Euro für eine Busfahrt in die Nachbarstadt zahlen muss, denn er fährt erst gar nicht mit…

Viel lieber zerfahren wir mit dem Auto unsere (Stadt-)Landschaften und verpesten die Luft unserer ehemals schönen Kleinstädte mit Abgasen, während Bahnhöfe abgebaut oder zu „Haltestellen“ heruntergestuft  werden (Ehlenbruch), was nebenbei zu mehr Verspätungen führt. Da steht man dann in Oerlinghausen  bei laufendem Dieselmotor einfach mal 15 Minuten auf dem Gleis bis der verspätete Zug an den wartenden Fahrgästen vorbeirauscht. Das nehmen wir für den „Fortschritt“ aber klaglos hin – und träumen von der „Metropolregion NRW“ (Detmolder Erklärung) damit es hoffentlich bald überall so aussieht wie in Bochum, Essen und Dortmund…

von Annette Heuwinkel-Otter
10. Apr. 2018

Die letzte Mitteilung war durch einen Artikel der Lippischen Landes-Zeitung geprägt. Der technische Beigeordnete Thomas Lammering bedauert darin, dass der Stadt Detmold wegen der Verzögerungen die Zeit wegläuft. Er versucht die Urteilsbegründung, die für die Stadt Detmold einer Ohrfeige gleich kommt, zu erklären: „Wir haben bei der Planung Gutachter eingebunden und hatten keine Zweifel, dass alles in Ordnung ist. Das Gericht hat aber eine andere Auffassung dokumentiert. Wir hätten daher wohl mehr in die Tiefe gehen müssen.“

Richtig ist, dass für Teilbereiche Gutachter eingebunden waren. Sind die nun Schuld an der Misere? Es hört sich fast so an.
Fakt ist aber auch, dass Mitarbeiter der Stadtverwaltung Berechnungen und Planungen erarbeitet haben, z.B. zum Thema Lärmemissionen. Diese hat das Gericht vor allem bemängelt. Ein Aspekt der nicht verschwiegen werden sollte. Im Sinne einer modernen Fehlerkultur heißt es: Fehler macht jeder, aber man muss dazu stehen und dazu gehört offen darüber sprechen!

Möglicherweise hat die Stadt Detmold nun ein Problem, wie Herr Lammerig im Bezug auf die Gutachter andeutet. Weder externe Gutachter noch die eigenen Mitarbeiter der Stadtverwaltung scheinen die komplexe Situation erkannt und adäquat bewältigt zu haben. Diese Erkenntnis könnte das „in die Tiefe gehen“ bei einem zweiten Anlauf für die Realisierung der Gewerbefläche extrem erschweren, wobei eine exakte, tiefgreifende, wohlüberlegte, durchdachte Planung wohl unerlässlich ist, angesichts der Idee ein Gewerbegebiet direkt an ein Naturschutzgebiet angrenzen lassen zu wollen. Ob diese Idee letztendlich nur kühn und nicht realistisch ist, steht in den Sternen oder weiß nur der Milan auf dem Foto.


Anette Heuwinkel-Otter ist in Detmold geboren und engagiert sich für den Artenschutz und umweltpolitisch.


Unterschreiben Sie auch die Petition auf Change.org:

https://www.change.org/p/b%C3%BCrgermeister-der-stadt-detmold-rainer-heller-sch%C3%BCtzt-menschen-und-tiere-im-detmolder-westen/psf/share?after_sign_exp=default&just_signed=true

„Aktionsbündnis: Schützt Menschen und Tiere im Detmolder Westen“. http://www.oetternbach.de

Das beliebteste Talkshowformat ist jenes, wo sich zwei oder mehr öffentliche Persönlichkeiten, analog zum vermeintlichen politischen Parteienproporz, ihre MEINUNGEN um die Ohren hauen.

Nehmen wir einen konkreten Fall: Ein bekannter Klimaforscher bestätigt die Diagnose, dass der Planet einen menschengemachten Klimawandel aufweist, dass sofortige Maßnahmen zum Gegensteuern ergriffen werden müssen und die Diagnose auf Fakten beruht, da die überwältigende Menge der Daten dafür spricht, und vor allem auch die überwältigende Mehrheit der Klimaforscher. Der  ihm gegenüber sitzende, weniger bekannte, aber dafür umso radikalere Klimaforscher erklärt die Diagnose für Unfug, und empfiehlt, beim immer schon ganz natürlich auftretenden Klimawandel, Geo-Engineering und ansonsten, dass der Schornstein und der Auspuff nur ordentlich weiter rauchen sollen, und dass die Masse der Klimaforscher Büttel der Mächtigen ist, die an der „Klimalüge“ verdienen wollen.

Da Debatten-Talkshows davon leben, dass eine Meinung gegen eine andere gesetzt wird, sieht es dann so aus, als sei das ganze so eine 50/50-Abwägung. Und welche dieser vermeintlich gleich plausiblen Meinungen würden Sie vertreten? Sind Sie vielleicht auch „Experten-Skeptiker“, oder glauben gar nicht so recht an das, was sie nicht sehen können?

Nun gut, wie skeptisch stünden Sie der Wissenschaft in folgendem Fall gegenüber? Sie gehen zum Arzt, weil es in Ihrer Lunge rasselt. Der Arzt stellt die Diagnose „Lungenkrebs im mittleren Stadium“, aber noch keine Metastasen. Eine sofortige orthodoxe Behandlung, mit Chemotherapie und dergleichen hat gute Aussichten Ihr Leben zu retten. Begleitend empfiehlt er eine rigorose Umstellung Ihres Lebenswandels und vor allem das Rauchen aufzugeben.

Sie – – sind skeptisch. Ärzten trauen Sie sowieso nicht über den Weg und leiden können Sie sie auch nicht. Die Scharlatane sind doch nur darauf aus Ihrer Krankenkasse das Geld aus der Tasche zu ziehen. Sie gehen zu acht weiteren Ärzten, sicher ist sicher. Alle stellen die gleiche Diagnose wie der erste Arzt. Der Zehnte endlich gibt Entwarnung. Sie sind kerngesund! Und Rauchen ist das Beste was Sie für Körper und Seele tun können, es macht Ihnen doch Spaß, sorgt für anregende Gesellschaft und ist schließlich die Würze des Lebens…

Nun sind Sie dran. 9:1 stehen die Diagnosen FÜR Krebs und eine entsprechende Therapie. Wie würden Sie entscheiden? Mehr als 9:1 der Klimaforscher weltweit sprechen sich FÜR die Diagnose „anthropogener Klimawandel“ aus. Alles gekaufte Lügner?

 

www.klimaretter.info/forschung/nachricht/21052-klimawandel-97-prozent-studie-bestaetigt

https://en.wikipedia.org/wiki/Surveys_of_scientists’_views_on_climate_change

Stoppt endlich die Detmolder Kettensägenorgie!

Nachdem vor zwei Jahren die Detmolder Baumschutzsatzung aufgehoben wurde, können wir nun erleben zu was das führt: In einer beispiellosen Kettensägenorgie, auf privaten und nicht-privaten Grundstücken im Detmolder Stadtgebiet, sind seitdem tausende „gesunde“ und weniger „gesunde“ Bäume gefällt worden. Während sich ein Grundstückseigentümer früher zweimal überlegte, ob er einen Antrag auf Baumfällung stellt, auch wenn den meisten Anträgen stattgegeben wurde, bestellt er heute einfach eine Truppe, meist uniformierter, Männer und lässt seiner Abneigung gegen alles Grüne freien Lauf.

Nachdem ich mit Grausen und Zorn in den letzten zwei Jahren schon die zahlreichen Rodungen im restlichen Detmolder Stadtgebiet beobachten musste, ist in diesen Tagen ein großer Teil des Baumbestandes in meinem unmittelbaren Wohnumfeld vernichtet worden. Vor drei Jahren zog ich bewusst in diese Wohngegend, WEIL sie wie eine, auch in Detmold zunehmend seltenere, Parklandschaft anmutete. Jetzt gehen mir nach und nach die Gründe, für einen Verbleib an diesem Ort, aus. Weitere Fällungen sind zu befürchten.

Es heißt immer wieder, man solle dem Hass keine Chance geben. Eine gute und richtige Maxime. Dem eigentümelnden Hass auf alles Grüne, Unpraktische, Unbegradigte, Ungepflasterte und Ungezähmte dagegen hat man in Detmold, mit der Abschaffung der Baumschutzsatzung, Tür und Tor geöffnet. Wahrscheinlich freut sich die Holzhackschnitzel- und Baumfällerlobby. Sie dürften Hochkonjunktur haben. Es sei hier nur nebenbei angemerkt, dass das Heizen mit Holz und Holzpellets nur in ganz beschränktem Maße, und zwar in der Form von Abfallholz (aus der Möbelindustrie etc.), als Beitrag zum Klima- und Ressourcenschutz geeignet ist: www.youtube.com/watch?v=-5uzGtrgbXE (Schon seit Jahren werden dem Pellet- und Holzheizwahn nämlich nicht nur unsere wenig ursprünglichen „Wälder“ geopfert, sondern vor allem, stark zunehmend, die noch viel ursprünglicheren Wälder in Bulgarien, Russland und andern Ländern, denen wir gerne minderdemokratische Strukturen attestieren.)

Zurück nach Detmold. Für viele Menschen ist die Baumvernichtung eine psychische Belastung. Ich habe alte Menschen weinen sehen, denen ihr letzter Ausblick auf Leben, außerhalb ihrer vier Wände, genommen wurde. Bäume, gerade auch in der Stadt sind Leben! Eine Binsenweisheit, eine Tautologie geradezu. Aber offenbar den phantasielosen Propheten der Nützlichkeit und allen Arten von Phytoparanoikern, die in Lippe ganz offen sichtbar immer mehr die Oberhand gewinnen, das entscheidende Quantum Leben zu viel.

Um eine genauere Vorstellung der Anzahl gefällter Bäume zu erhalten, möchte ich alle Leser dieser Zeilen ermuntern, Beispiele mit genauer Ortsangabe und dem Zeitpunkt der Fällung, gerne auch mit vorher/nachher Fotos, an mail@republiklippe.de zu  schicken. Ich möchte dazu aufrufen, der schändlichen und hemmungslosen Baumvernichtung in Detmold entgenzutreten und ihr Einhalt zu gebieten, möglichst alle Fälle zu dokumentieren und an zentraler Stelle sichtbar zu machen.


Lemgoer Straße in Klüt – Offenbar hört und sieht der Eigentümer dieses Grundstücks, statt Bäumen und Büschen, lieber den Verkehr auf der B238

 

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Wie ernst es der Wolkenkuckuckskreis Lippe mit dem Erhalt unserer Lebensgrundlagen meint, kann man auch am Beispiel dieser Kneipe in Detmold erahnen. Vermutlich, und hier ist der Name Programm, möchte man hier im tiefsten Germanischen Winter sicherstellen, dass auch bei der Zigarette vor der Kneipe Temperatren wie im Australischen Outback herrschen.

Klimawandel??? Brauchen wir nicht! Wir heizen die Umwelt direkt auf und zwar elektrisch, zur Not mit 3x2Kilowatt Atomstrom. „Al fresco“ zu jeder Jahreszeit. Italien ist überall und offenbar auch die Gleichgültigkeit für alles was nicht unmittelbar dem eigenen Profit oder „Lifestyle“ dient. 40 Jahre Diskussionen über „Die Grenzen des Wachstums“ und die Zerstörung unserer Lebensgrundlagen seit dem „Club of Rome“ ist an den Betreibern dieser und anderer Detmolder Kneipen offenbar spurlos vorübergegangen… Wenn es darum geht Ökostrom zu beziehen, dann wird allgemein gerne um jeden Cent pro KW/h gejammert. Hier aber offenbar kein Problem. Die Stromrechnung kann man wohl von der Steuer absetzen?

Umweltbewusste Kommunen müssen Außenlufterhitzer vor Gaststätten übrigens nicht tolerieren. In den Berliner Innenstadtbezirken sind Heizpilze seit Jahren verboten und es werden Bußgelder vergeben bzw. Schanklizenzen für die Gehwegbereiche entzogen.

Anstatt über eine Wiedereröffnung des Bahnabschnitts Lemgo-Barntrup, für den regulären und regelmäßigen Personenverkehr, jubeln zu können, jubelt man beim Klimapakt Lippe darüber, dass die „Landeseisenbahn Lippe“ ca. ein dutzend Mal im Jahr mit Ökostrom fährt. Hurrähchen! Die Elektrifizierung der Bahn zwischen Bielefeld und Lemgo (und weiter bis Barntrup!) scheint dagegen eine unüberwindbare Hürde.

Genutzt werden kann der „klimafreundliche Bahnstrom“ also nur auf der Extertalbahn.  Aber man will ja die CO2-Emissionen bis 2050 eh nur um 95% senken, und dazu benötigt man in Lippe offenbar keine elektrifizierte Bahn und auch keine Verbesserung des ÖPNV. Wunder gibt es in Lippe ja bekanntlich immer wieder, was der Status als „Vorreiter“ und „Vorbild“ für das ganze Land (Deutschland) schließlich beweist. Und warum kleine Rüben verkaufen, wenn’s auch große tun.

Die Erfolgsstrategie, die hinter dem Wunder steckt ist einfach: Wichtig ist der richtige Antrag beim richtigen Bundesministerium! In diesem Fall das Bundesumweltministerium, denn das ist für illusionäre Optimismus-Verbreitung das Chefministerium und hat das Motto „Wir schaffen das“ schon lange im Wappen. Und wenn so ein Antrag dann fast eine Million Euro einfährt, dann kann auch schnell ein Sitzenbleiber zum Klassenbesten mutieren. Ganz egal, ob er mit 4% ökologischer Landwirtschaftsfläche deutlich unter dem Bundesdurschnitt (6,5%) liegt, oder für den ÖPNV dreifach teurere Preise veranschlagt, als Regionen von vergleichbarer Flächengröße in anderen Teilen Deutschlands, oder böse Briefe an die Landesregierung schreibt, wenn diese die Flächenneuversiegelung auch im Vorbildkreis begrenzen möchte, oder, oder, oder…

Zurück zur „Landeseisenbahn Lippe“: Es stellt sich die bange Frage, ob dieser Verein, bei allem Engagement für das ökologische Verkehrsmittel Eisenbahn, überhaupt an einer modernen Wiederinbetriebnahme der Begatalbahn interessiert ist, oder ob sich der Museumsbetrieb so weit verselbständigt hat, dass man nichts mehr fürchtet, als das diese Idylle zerstört werden könnte.

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