Eichenhof Pinneichen Detmold aus der Luft 70er Jahre - Urheber unbekannt

Eichenhof Pinneichen Detmold aus der Luft 70er Jahre – Foto: Urheber unbekannt

Welcher Architekt würde es gerne von der Hand weisen? Das Bauen in einer Stadt, ist nicht nur ein funktionaler Akt, sondern eben vor allem auch ein ästhetischer. Die Ästhetik aber, in Kommunikation mit der Topographie und dem Klima, ist das was einer Stadt das Besondere gibt: ihr unverwechselbares „Gesicht“.

Nun lässt sich über Ästhetik vortrefflich streiten. Die Eine liebt Kiosk-Charme mit Parkplatz-Flair, der Andere sehnt sich nach antiken Piazze mit architektonischen Meisterwerken, von exquisiten Gärten und Parks eingerahmt und von unbegreiflicher Schönheit. Ersteres ist ein Geschmack, der eher aus der Not geboren scheint, irgendwie lobenswert, aber auch ein wenig Mitleid provozierend. Letzteres ein Ideal zu dem jedes Jahr Abermillionen von Menschen pilgern, um die an diesen Orten gemachten Selfies in alle Welt zu verschicken.

In unseren Zeiten und vor allem auch in unserem Land, steht urbane Schönheit im Ruch wenig funktional zu sein. So ist das Wenige erhaltene Schöne noch mehr dazu verdammt reine Kulisse zu werden. Der Kontrast zum Hässlich-Funktionalen wird schroffer. Dass es aber überhaupt dazu kommt ist meist ein Resultat aus der Multiplikation des fehlenden Geldes mit der fehlenden Phantasie. Doch gelegentlich kann auch zuviel Geld in Kombination mit fehlender Phantasie Stadtbilder dauerhaft zerstören. Welcher Kombination nun die Pinneichen in Detmold zum Opfer fallen, müssen wir vorerst abwarten.

Ein kurzer Blick auf das Satellitenbild von Google Maps scheint für dieses Areal eher ganz laut „PARK“ zu schreien. Und allem Anschein nach sahen es die am 2.6.2022 zur „Bürgerversammlung“ in der Grundschule Jerxen-Orbke eingeladenen Bürger genauso. Jedenfalls wenn man sie um ihr Handzeichen der Zustimmung für eine „nur Park“-Lösung (also gewissermaßen einer Parkvergrößerung, allerdings inklusive Kita-Neubau) bat. Der Applaus zu Äußerungen so einiger Bürger, die in diese Richtung gingen, tat ein Übriges diesen Eindruck zu erhärten. Denn viele sachkundige Einwände der Anwesenden machten deutlich, dass die Bebauung, auf dem Gelände des ehemaligen Sportplatzes, ein städtebaulicher Krampf wäre, der nur wenig gegen die „Wohnungsnot“ (die man wohl aufgrund immer höherer Quadratmeteransprüche der Wohnbedürftigen, lieber „Wohnanspruchsnot“ nennen sollte) in Detmold bewirken, aber das unmittelbare Umfeld, und nicht zuletzt die Pinneichen, schwer belasten würde.

Bei einem Jahresbudget der Stadt Detmold von ca. 260 Mio. Euro wäre, bei 200 Euro/m² Bodenpreis, der Erlös durch den Verkauf für 1 ha Sportplatz, zwar nett aber nicht weltbewegend. Für die Stadt Detmold aber offenbar ein satter Happen, für den man alle Prätentionen einer „Kulturstadt im Teutoburger Wald“ gerne fahren lässt. Denn, wie schon angerissen, ist natürlich die Städte-Bau-Kultur ein elementarer Teil der Kultur insgesamt. Durch die Verfehlung, das Eckgrundstück mit dem alten Gebäude an der Kreuzung Lagesche Str. / Wittekindstraße (günstig!) aufzukaufen und, inklusive der ehemaligen Sportvereinsräume, in ein potentielles Parkerweiterungskonzept zu integrieren, ist das Kind aber bereits in den Brunnen gefallen.

Eichenhof Pinneichen 1950er Jahre - Urheber unbekannt
Eichenhof Pinneichen 1950er Jahre – Foto: Urheber unbekannt

Einst stand an dieser Stelle der „Eichenhof“, der dieser Kreuzungsecke ein freundliches helles Gesicht verliehen hatte und wo Alt und Jung sich erfrischen konnten. Er gab dem Sportplatz und dem Wäldchen einen einladenden Fokus, der zwischen dem sportlichen und natürlichen Teil des Geländes vermittelte und das Ganze zu einer stimmigen Stadtästhetik zusammenführte, die Nutzen und Erholung verband. Später zog in das Gebäude eine Anwaltskanzlei ein und, nachdem diese das Gebäude und Grundstück vor ein paar Jahren aufgegeben und verkauft hatte, beeilte sich die Stadt dem Käufer eine Baugenehmigung zu erteilen und schaffte so Fakten.

Anstatt das Gebäude zu erhalten, und neuen parkgerechten Nutzungen zuzuführen, sollen hier in einem massiven dreistöckigen Riegel Seniorenwohnungen und Geschäfte entstehen. An Banalität und Unsensibilität ist diese Idee kaum zu überbieten. Die alten Menschen sollen also an einer der lautesten und emissionsstärksten Kreuzungen Detmolds „entsorgt“ werden und dazu etwas Einzelhandel gewurschtelt werden.

Doch die Bürgerschaft (z.B. mit einem Bürgerrat als Beteiligungs- und Transparenz-Institution) wird in Detmold nicht gerne im Voraus und wirklich vorausschauend konsultiert, sondern lieber notgedrungen, bei der gesetzlich vorgeschriebenen „Bürgerbeteiligung“, vor halb vollendete Tatsachen gestellt, die sich in diesem Fall vor allem an besagtem Abriss des ehemaligen „Eichenhof“ offenbaren. Somit kann es, im Fall der Pinneichen“ für die eilig formierte „Arbeitsgruppe“ „Lebenswertes Detmold“ nur noch um Schadensbegrenzung gehen. Und der wahrscheinliche Schaden, gerade auch für das Pinneichenwäldchen, ist beträchtlich. Denn es soll ja nicht nur der Seniorenriegel entstehen, sondern auf dem Sportplatzgelände auch weitere Wohnhäuser. Und für diese werden Zufahrtswege, die Feuerwehr- und Müllabfuhrtauglich sind, benötigt. Mit anderen Worten: nach dem Massaker an den wunderbaren alten Eichen des ehemaligen „Eichenhof“, stehen weitere zahlreiche Baumfällungen an, wenn solche Pläne Realität werden sollten. Das wird jedem klar, der sich das Gelände bei Google Earth anschaut.

Die „Kulturstadt im Teutoburger Wald“ und der Kreis Lippe sind fortwährend damit beschäftigt historische Land-, Bau- und Stadtkultur zu beseitigen und dabei ihr Gesicht zu verlieren. Über Klima-, Umwelt- und Ressourcenschutz wird dabei gerne viel geredet und keine Gelegenheit ausgelassen eine hübsche Greenwashing-Kulisse zu präsentieren, wie z.B. den 1 Million Euro teuren „Klimapakt Lippe“ von 2016. Wer erinnert sich noch? Gut, man musste das nicht selbst bezahlen, denn der Bund hatte diese vierjährige Arbeitsbeschaffungsmaßnahme finanziert, für junge Fachleute, die „irgendetwas mit Nachhaltigkeit“ machen wollen. Es gibt Schlimmeres und wenn man mit fremdem Geld gut aussehen kann, hey!… Man würde sich nur wünschen, dass Stadt und Kreis bei ECHTEN Nachhaltigkeitsprojekten, wie z.B. der Einführung von Bahn und ÖPNV in die Jetztzeit, genauso viel Fördermittelacquiseintelligenz entwickeln würden. Luft anhalten auf eigene Gefahr!

Des-Informationskampagne des WLV, Kreisverband Lippe
Des-Informationskampagne des WLV, Kreisverband Lippe

Die „konventionellen“ Landwirte fordern seit letztem Jahr lautstark: „redet mit uns“. Das tun wir doch als Menschen, denen Klimaschutz, und viel konkreter der Erhalt unserer LebensGRUNDLAGEN, wichtig ist, gerne. Mit den Öko-Bauern reden wir schon seit Jahrzehnten, denn viele von Ihnen waren von Anfang an treibende Kraft der „Umweltbewegung“ und nicht irgendwelche „Spinner“ aus „Kuschelkiezen“ in den Großstädten.

Doch kann man davon ausgehen, dass jeder Öko-Bauer nur den Kopf über die neue Rüben-Kampagne der lippischen Bauern schüttelt. Die Kampagne ist nämlich nicht nur so einfältig wie unplausibel, sondern ihre Aussage ist schlicht irreführend, in ihrer Kernaussage falsch und in ihrer Organisiertheit eine glatte Lüge! Man könnte die gleiche Kampagne auch mit anderen Feldfrüchten durchexerzieren, es käme mehr oder weniger das Gleiche heraus. Zwar stimmt die Aussage in Bezug auf die unmittelbare Wachstumsphase einer Rübe (im Vergleich zu einem Baum) – mehr oder weniger – doch sobald sie verarbeitet wird stimmt das alles nicht mehr.

Genau wie es nicht stimmt, dass das Verbrennen von Holz zum Klimaschutz beiträgt. Es ist im besten Fall „Klima-neutral“, aber wirklich nur im besten Fall… Und der tritt nur ein wenn das Ganze in sehr begrenztem Maß betrieben wird. Holz ist dann gelebter Klimaschutz, wenn es zum Bauen und Herstellen von Möbeln und dergleichen benutzt wird.

Ein Bücherregal aus Spanplatten oder Brettern ist deutlich Klima schützender, als eine Rübe – so lange das Holz möglichst lange nicht verbrannt wird oder vermodert. Vermutlich hat man sich den Bullshit mit den Rüben beim Mais abgeguckt. Jedenfalls fühlte sich im letzten Jahr, schon vor Beginn der Lippischen Rüben-Desinformations-Kampagne, der Bayrische Rundfunk beim Thema Mais gewissermaßen zu einer Gegendarstellung veranlasst. Sie hatte den unmissverständlichen Titel: „Nein, Mais ist nicht besser für‘s Klima als Bäume“!

www.br.de/nachrichten/wissen/nein-mais-ist-nicht-besser-fuers-klima-als-baeume,RVim28U

Das ficht aber offenbar nicht DIE „konventionellen“ Bauern an, denen die Wahrheit eher Wurscht ist. Unverdrossen stellen sie also weiterhin die Schilder mit der Desinformation auf die Felder. Doch Klimaschutz findet auf dem Acker nur dann statt, wenn die Böden in ihrer Substanz verbessert und vermehrt werden. Von Kunstdünger und Pestiziden, die beim Rübenanbau zum Einsatz kommen, ist erst gar nicht die Rede. Diese verschlechtern die Klimabilanz nämlich noch zusätzlich, von den Auswirkungen auf Gewässer, Insekten, Amphibien etc. ganz zu schweigen.

Mit den Landwirten reden wir gerne. Doch wer redet schon gerne mit organisierten Lügnern – oder lügenden Organisationen?

Mit schlechtem Beispiel voran: Ein großer Baum ist der Stadt Detmold keinen Parkplatz wert.

Zitat aus dem Artikel “Mehr Bäume, Radwege und Sicherheit“ der „Lippischen Landeszeitung“ (LZ) vom 29.11.2019:

„Wer seinen Garten naturnah gestaltet, soll außerdem eine Förderung von 500 Euro erhalten können.“

Dies ist der Wunsch der SPD, also der Ratsfraktion, die den Bürgermeister stellt und vor drei Jahren mitverantwortlich für die Abschaffung der Baumschutzsatzung zeichnete… Da muss man schon tief Luft holen, denn grotesker geht es kaum. Während zwischenzeitlich tausende GROßE Bäume, die für Vögel und andere Tiere so wichtige sind, im inneren und äußeren Stadtgebiet dem Sauberkeitsfimmel und dem Autowahn geopfert wurden, sollen die Häuslebesitzer nun dafür bezahlt werden, dass sie ihr Werk nicht mit einer Schotterwüste vollenden.

„Naturnah“ sollte die Stadt ersteinmal die Flächen gestalten, für die sie selbst verantwortlich ist, denn hier sind die meisten großen Bäume verschwunden. Eine wahre Kettensägenorgie fand auf den städtischen Flächen in den letzten Jahren statt, ob für Parkplätze (Hornsches Tor etc.) oder wegen der vermeintlichen „Gefahrenbäume“ –  einen Grund findet man immer, um das zu zerstören, was unsere Städte am dringendsten brauchen: kühlende, Leben spendende Bäume. Doch die stehen ja immer so wichtigen Klimaschutzprojekten im Wege, wie eben den Parkplätzen, Abbiegespuren oder winzigen „Rückhaltebecken“ – und natürlich der Sauberkeit ganz allgemein. Denn eins ist ja mal klar: Klimaschutz muss ordentlich sein!

Hier zu sehen die Flächen um die es geht. Links südlich vom Oetternbach, die Balbrede. Ganz rechts im Bild die Flächen auf denen nun Gewerbeflächen entstehen sollen. Taoasis hat ganz links, schon in Lage (nicht mehr im Bild) nun ein Gelände für seine Felder und die Produktion erhalten.
Hier zu sehen die Flächen um die es geht. Links oben, südlich vom Oetternbach, die Balbrede. Ganz rechts unten im Bild die Flächen auf denen nun Gewerbeflächen entstehen sollen. Taoasis hat, ganz links – schon in Lage (nicht mehr im Bild), nun ein Gelände für seine Felder und die Produktion erhalten.

Sehr geehrter Herr Heller, es ist einfach, die Schuld an dem Taoasis-Debakel anderen in die Schuhe zu schieben. Nun soll das Aktionsbündnis: Schützt Menschen und Tiere im Detmolder Westen e.V. als Sündenbock präsentiert werden, um von der Unfähigkeit der politisch Verantwortlichen abzulenken.

Die Stadt Lage hat in einer Sondersitzung des Stadtrates sehr schnell und unbürokratisch eine zukunftsträchtige und richtige Entscheidung getroffen. Detmold hat dazu nicht den Mut und sieht wohl keine Notwendigkeit innovative Betriebe zu halten.

Taoasis bemüht sich seit Jahren um geeignete Gebiete in Detmold, lange bevor die Klage einen nicht ordnungsgemäßen, fehlerhaften und fahrlässigen Bebauungsplan für die Balbrede gestoppt hat. Die Stadt Detmold wollte der Firma Taoasis weder die Balbrede noch den Peterskamp überlassen. Anfragen diesbezüglich wurden mehrfach abgelehnt, weil Taoasis die umliegenden Felder erhalten und beackern wollte. Die Stadt Detmold plante und plant weiterhin möglichst viele Gewerbebetriebe auf den Flächen anzusiedeln. Aus diesem Grund scheiterten die Pläne von Taoasis, nicht wegen der Klage.

Die Menschen der betroffenen Ortsteile (Nienhagen, Heiden, Oettern-Bremke, Jerxen-Orbke) haben immer wieder gebeten, in die Planungen Balbrede, Peterskamp, Oetternbrede einbezogen zu werden. Gesprächs- und Kompromissbereitschaft wurde mehrfach schriftlich und mündlich signalisiert. Weder Sie, Herr Bürgermeister Heller, noch der Stadtrat sind darauf eingegangen. Die Schuld an dem Weggang der Firma Taoasis trägt ganz allein die Detmolder Politik. Die Behüter des Naturschutzgebietes Oetternbach bedauern das besonders. Taoasis als ökologischer Betrieb, mit Lavendelfeldern als Eingangstor von Detmold, hätten zu der Residenzstadt und auch zum Naturschutzgebiet Oetternbach sehr gut gepasst. Die Detmolder Politik hat es nicht zugelassen.

Freundliche Grüße
Pressesprecher Cornelius März
Aktionsbündnis: Schützt Menschen und Tiere im Detmolder Westen e.V.

Die Wohnbau Detmold fällt massenhaft Bäume auf ihren Grundstücken, ohne Rücksicht auf Verluste. Hier ein kerngesunder 60 Jahre alter Ahorn – Foto: Republik Lippe

Während der Kreis Lippe am 7.10.2019 den Klimanotstand ausruft, wie vorher schon andere Städte in Lippe, z.B. Oerlinghausen, holzt eine Detmolder Wohnbau-Genossenschaft am 10.10.2019 munter seine prächtigen und gesunden Baumbestände ab. Das alles für Müllhäuschen, die den Mietern lange Wege zu ihren Mülltonnen bescheren und demnächst vermutlich auch für Parkplätze, die wichtigste aller Immobilienarten. Und das nicht etwa nur in diesen Tagen, sondern seit Jahren. Allein im Bereich Berliner Allee ist der Baumverlust der letzten Jahre erschütternd, besonders auf den Immobilien der Detmolder Wohnbau.

Johanettentaler Str. von hinten.Eine Schneise der Verwüstung und verlorener Blickschutz. Ein Schuft wer hier einen kommenden Parkplatz vermutet, die wichtigste aller Immobilienarten in Detmold. Foto: Republik Lippe

Der Klimaschutz bleibt für den Kreis angeblich ein „wichtiges Thema für den Kreis Lippe„. In Detmold ist davon nichts zu bemerken. Während sich kleine engagierte Initiativen seit Jahren mit viel Herzblut vergeblich für einen Wandel einsetzen, schaffte der Detmolder Bürgermeister, und sein Gruselkabinett eines überalterten Stadtrates, vor drei Jahren erst einmal die Baumschutzsatzung ab. Seitdem wird gerodet und geschottert bis die ehemaligen Gärten den Charme einer Kiesgrube verströmen. Das ist vermutlich auch gut für das Klima.

Bonjour Tristesse! Wohnbau Detmold, Johannettentaler Str. Selbst kleine Bäume sind der Genossenschaft offenbar lästig. Foto: Republik Lippe

Nun also „Klimanotstand“ – jedenfalls vom Kreis Lippe ausgerufen. Und den „Masterplan 100% Klimaschutz“ haben wir ja auch schon – ungefähr so lange wie die Baumschutzsatzung in Detmold abgeschafft wurde. Resultat: erst einmal sollen zwei der brutalsten Umgehungsstraßenprojekte in der lippischen Geschichte durchdrückt werden. (Lage B239, Lemgo B238) Gewissermaßen mehr Verkehr für den Klimaschutz. Das ist so etwas ähnliches wie „Friedensbomben“ (Hans-Dieter Hüsch) https://www.youtube.com/watch?v=KkvEHkikqPw

Doch jetzt hat die Stunde der „Projektideen“, „Maßnahmen“ und „Zukunftsprojekte“ geschlagen. Das bedeutet auf Menschen-Deutsch: bauen, bauen, bauen – und natürlich roden und schottern…

Effektive „Maßnahmen“ hätte man längst ergreifen können, wie z.B. die Abschaffung von „Heizpilzen“ in der Gastronomie. Das kostet nichts und schafft keine neuen Übel. Während andere Kommunen, z.B. Berlin Pankow, längst das gewohnheitsmäßige Heizen der Außenluft mit Elektroheizspiralen unterbunden haben, geschieht dies in Demold gleich Dutzendweise. Das „Extrablatt“, in der Detmolder Fußgängerzone, macht es vor:

Foto: Republik Lippe

24.000 (24 Tausend!) Watt für nicht anwesende Gäste unter diesen drei Sonnenschirmen. An einem durchschnittlichen Abend, an dem Raucher und Freunde des mediterranen Flairs dieses „Al Fresco“-Vergnügen genießen können, wollen, müssen, also sagen wir 4 Stunden, sind das schon mal 96 Kilowatt-Stunden (96kW/h) Vergleichen Sie mal mit Ihrer Stromrechnung… Mein Haushalt verbraucht IM JAHR 914 kW/h… So viel wie das „Extrablatt“ in Detmold an 10 Abenden – nur für das Beheizen der Außenluft. Aber auch das „Outback“, 100 Meter weiter, versucht schon viel länger die Außenluft dem Namensvorbild mit, bekanntlich völlig überteuerter, Elektrizität anzunähern.

Und so geht das Schwätzen und Posieren weiter, während die wirklich effektiven „Maßnahmen“ ignoriert werden. Diese sind:

  • Die sofortige, bzw. schnellstmögliche, Wiederinbetriebnahme und Modernisierung aller Bahnstrecken in Lippe.
  • Verbesserung der Städtischen Busangebote
  • Sofortiger Stopp ALLER Straßenneubauprojekte.
  • Die erhebliche Verbesserung der Bedingungen für Radfahrer
  • Und? Natürlich den Schutz und Erhalt der großen Bäume
  • …und vieles mehr.

Berliner Morgenpost

https://www.morgenpost.de/berlin/article226181153/Fahrradaktivisten-besetzen-die-Schoenhauser-Allee.html

…nur in Lippe schläft man den Schlaf der Gestrigen

Der Parkplatzwahnisnn am Leopoldinum (siehe vorletzen Beitrag) bedeutet mehr Elterntaxis, mehr Verkehr, mehr Umweltbelastung (incl. Teibhausgase, Versiegelung etc.) Wann lernt der Stadtrat endlich was der Begriff „Induzierter Verkehr“ bedeutet?

Seit Sommer 2018 offiziell als Rad- und Fußweg beschildert.
Die Fromhausener Straße zwischen Detmold und Horn

In einem Land wo täglich neue Straßen gebaut werden, obwohl schon die existierenden immer mehr verfallen, gibt es doch gelegentlich auch mal kleine Wunder. Eines der best gehüteten Fahrradgeheimnisse im Kreis Lippe ist die Fromhausener Straße zwischen der Nordstraße in Horn und Fromhausen. Bis 2011 war die Straße als „Schleichweg“ heftigem Durchgangsverkehr ausgesetzt und an der Einmündung zur Nordstraße kam es zu schweren Verkehrsunfällen, weshalb eine Sperrung des Durchgangsverkehrs zuerst kontrovers diskutiert und dann beschlossen wurde.

Das Wiembecketal aus Richtung Holzhausen gesehen

Aus heutiger Sicht, und vor allem aus der Sicht von Radfahrern und Wanderern, die die seltene Schönheit dieser Straße und des Tals an der Wiembecke erleben, mutet diese Diskussion von damals geradezu wunderlich an. Dürften sich doch viele Anwohner, die ursprünglich gegen die Sperrung waren, heute genauso vehement gegen eine Wiedereröffnung einsetzen, wenn sie nicht völlig blind gegen den Reize dieser Landschaft sind, die durch die Sperrung erst erlebbar wurden. Wenn man sich zu Fuß oder per Rad auf der stillen Straße bewegt, oder besser noch, innehält, dann kann man sich lebhaft vorstellen wie unattraktiv dieser Ort wegen des vielen Verkehrs gewesen sein muss, obwohl er direkt am Naturschutzgebiet liegt.

Zum Rosenbusch im Wiembecketal

Wurden vorher die Anwohner täglich von tausenden KFZ belärmt und bedieselt, entwickelt sich diese idyllische Landschaft zwischen Detmold und Horn mittlerweile zu einer Touristenattraktion, wozu nicht zuletzt die Lavendelfelder oberhalb Fromhausens maßgeblich beitragen. Um so erfreulicher, dass sich der Status dieser Straße zwischen den Barrieren seit dem Sommer 2018 verfestigt hat, indem sie als geteilter Fuß- und Radweg ausgeschildert wurde.

Zum Rosenbusch im Wiembecketal

Man mag sich nur etwas wundern, warum Horn und Detmold in ihrem Tourismusmarketing nicht mehr aus dieser Öko-Tourismus-Attraktion machen, ist sie doch das entscheidende Stück einer autofreien Verbindung zwischen den beiden Städten. In dem Dreieck Detmold-Horn-Externsteine ergibt sich durch dieses Filestück ländlicher Schönheit ein Bereich den man als (e-)Radfahrer, mit Trekking- , City- oder Mountainbike, fast ohne Autoverkehr genießen kann.

Mehrere Routen seien hier empfohlen:

  • Detmold Willi Brandt Platz – Allee bis obere Mühle – über die Paderborner Straße in Richtung Freilichtmuseum – den nördlichen Weg entlang des Freilichtmuseums immer geradeaus – immer auf dem Kammweg entlang – Am Friedhof Spork-Eichholz vorbei – den Gustav-Mesch-Weg entlang – Hornoldendorfer Straße 300 Meter in Richtung Hornoldendorf – Links in den geteerten Wirtschaftsweg einbiegen und immer geradeaus (bergab ungeteert) am Naturschutzgebiet vorbei  bis zum Residenzweg – rechts den Residenzweg hinauf zu den Lavendelfeldern – bergab nach Fromhausen – die Fromhauser Straße entlang bis Fieners Hofladen -hinter Fieners Hoflande rechts abbiegen bis Rosenbusch – den Rosenbusch immer geradeaus bis zum Kreisverkehr nahe der Horner Innenstadt
  • Alternativ zu dieser Route kann man hinter dem Weg am Freilichtmuseum den geteerten Linnenkamp bis Hornoldendorf herunterfahren und dann links die Hornoldendorfer Straße hinauf bis zum Wirtschaftsweg auf halber Anhöhe, der rechts abgeht.
  • Alternativ zum Weg von der Oberen Mühle kann man vom Willi-Brand-Platz natürlich auch den „Alten Postweg“ oder die Rosenstraße (etc.) nehmen um zum nördlichen Weg entlang des Freilichtmuseums zu gelangen. Diese haben nur wenig Verkehr.
  • Wenn man „Zum Rosenbusch“ ist kann man ebenfalls ohne Autoverkehr nach Holzhausen und von dort zu den Externsteinen gelangen, indem man die parallel verlaufende, verkehrsfreie Straße „Bockstal“ kreuzt, und jenseits der kurzen, aber steilen, Anhöhe die Externtsteinstraße überquert.

Lippische Landeszeitung vom 28.11.2011:
„Diskussion um Fromhausener Straße hält an“
https://www.lz.de/lippe/horn_bad_meinberg/5212820_Diskussion-um-Fromhausener-Strasse-haelt-an.html

Lavendelfelder oberhalb Fromhausen
Fromhausener Straße als Rad- und Gehweg
Linnenkamp auf dem Weg nach Hornoldendorf
Fromhauser Straße in Richtung Horn
Blick vom oberen Wellnerweg oberhalb Hornoldendorf in Richtung der Lavendelfelder am Osterbergweg oberhalb Fromhausen. Im Hintergund die Velmerstot
https://www.lz.de/lippe/horn_bad_meinberg/5212820_Diskussion-um-Fromhausener-Strasse-haelt-an.html

Detmold, Hornsche Straße im Jahr 2019.

Hierauf haben alle Elterntaxis und Lehrer gewartet. Endlich weichen lästige Bäume und ein Fuß/Radweg einer Abbiegespur und einem Parkplatz! Unsere Sehnsucht wurde erfüllt! Sobald alles fertiggestellt ist heißt es: „Mondays more Motors!“ Endlich kann der Verkehr so richtig in die Stadt gelockt werden und so kriegen wir auch Klimawandel, Ressourcenschwund, Artensterben, Feinstaub und Flächenverbrauch in den Griff. Gleichzeitig müssen wir unsere Kinder nicht mit ihren Fahrrädern auf die gefährlichen Straßen  lassen, wo so viel Verkehr ist – das wäre unverantwortlich! Jetzt heißt es stattdessen „Kiss and ride“.

Detmold knutscht seine Kinder hinterm Steuerrad und schafft Verkehr, weil Verkehr „Wachstum“ fördert und weil immer mehr einfach immer besser ist. Vor allem immer mehr neue Flächen versiegeln, denn in den unendlichen Weiten des Universums haben wir davon ja schließlich reichlich. Elon Musk wird uns mit seinen Space X Raketen schon hinfliegen. Fachleute in der Verkehrsplanung nennen das „Induzierten Verkehr“. Zu Deutsch: Wer Straßen und Parkplätze sät, wird Verkehr ernten. Mit solch schwierigen Begriffen wird aber kein ehrenhafter Stadtplaner, wie unser Herr Zimmermann, seine zart besaiteten Stadträte belasten, sondern ihnen dienstfertig zur Seite stehen, wenn es darum geht solche Fremdwörter zu ignorieren.

Platz für Autos schaffen ist die Zukunft

Also leistet sich die Stadt mit etwas „Renaturierungs“-Bla-Bla an der Werre einen Ablasshandel. Obwohl – für die Renaturierung muss die Stadt ja (fast) nicht(s) selbst bezahlen. Gott sei Dank! Doch, Renaturierungs-Bla-Bla?? In der städtischen Selbstdarstellung lautet das so: „Die Werrerenaturierung greift dabei mit dem Parkplatzneubau auf dem Aschesportplatz ineinander.“ Also genau wie Wolken, Kuckuck und Heim ineinandergreifen, um ein Wolkenkuckucksheim zu basteln, wird die Renaturierung eines früheren Umweltfrevels mit einem neuen Umweltfrevel bezahlt.

Perfekt! Parkplatz for Future! Der Beitrag zu Überschwemmungen, den die Versiegelung des Parkplatzes leistet, wird durch die Renaturierung der Werre in diesem Bereich wieder aufgefangen. Das nennt man dann Hochwasserschutz. Wow! Mit diesem Beispiel für gelungenes Greenwashing können die Lehrer auch gleich noch den Begriff „Nullsummenspiel“ erläutern. Dumm nur, dass der Ascheplatz mehr zum Hochwasserschutz geleistet hat, als der neue Parkplatz „Am Werrebogen“ und was sonst noch so am Leopoldinum neu versiegelt wird.

Das Leben ist eine Abbiegespur

War der oben stehende Text nun eine Glosse? Nicht für die Stadträte Detmolds, denn für die sind ihre Wolkenkuckucksheime bitterer Ernst. Was wäre denn schließlich, wenn die 70er Jahre doch nicht ewig dauerten? Nicht auszudenken! Wie sollten man denn sonst durch die endlosen Weiten des Universums gelangen?

Und so informiert die Stadt Detmold über dieses Zukunftsprojekt:

https://www.detmold.de/startseite/news/news-single-view/?tx_news_pi1%5Bnews%5D=487&tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&tx_news_pi1%5Baction%5D=detail

Endlich Platz für unsere Kinder

Vielfach mehr Suchergebnisse, als die verunglimpften Begriffe „nachhaltig“ und „Nachhaltigkeit“ (jeweils knapp über 30 Millionen), findet man bei Google für das Wort „Zukunft“ (über 210 Millionen). Und welchen nachdenklichen Beobachter beschleicht nicht das Gefühl, dass, je mehr von einer Sache geredet, sie desto weniger praktiziert wird.

Tagein tagaus wird in den Medien und öffentlichen Veranstaltungen darüber schwadroniert, wie man diese oder jene Einrichtung „fit für die Zukunft“ machen kann – und natürlich meint jeder damit etwas anderes. Bei etwas älteren Zeitgenossen hat man oft das Gefühl, dass in ihren Köpfen immer noch beliebte Bildbände aus ihrer Kindheit herumspuken, die so spannende Titel trugen wie „Zukunft – Das Bild der Welt von Morgen“, wo sich Grafiker wie Klaus Bürgle und Günter Radtke mit ihren Science Fiction Phantasien austoben konnten. Eine sterile Welt aus Autobahnen, Wolkenkratzern, Parkplätzen und Glasröhren, wo die wenige Natur aussieht wie das Begleitgrün einer Modelleisenbahn.

Auch Wolkenkuckucksbürgermeister Quasselbacke scheint diese Bücher gelesen zu haben. Für die Ziele der Nachhaltigkeit, des Klimaschutzes und der Artenvielfalt gehen er und seine Stadt mit gutem Beispiel voran und setzen konsequent auf Träume die längst Alpträume geworden sind. Die autogerechte Stadt wird, trotz allen Nachhaltigkeitsgeschwätzes, munter weitergebaut. Es werden Bäume gefällt, Gärten geschottert und Flächen versiegelt – weil es ja so praktisch ist. Das lockt Bienen an, verhindert das Aufheizen des Stadtklimas und bringt buchstäblich Licht in das Dunkel eines fehlgeleiteten Umweltaktivismus. Nicht erst seit Abschaffung der Baumschutzsatzung wird gefällt was die Kettensägen hergeben, zuletzt besonders sichtbar vor dem Arbeitsamt und Jobcenter der Stadt.

Für die Realschule, zwischen Hornscher Straße und Werre, werden ebenfalls Böden versiegelt und Bäume gefällt, um Parkplätze für die ökologischen Elterntaxis zu schaffen, während bereits vor zwei Jahren, in nur 200 Metern Entfernung, dutzende Bäume gefällt wurden, um ein Rückhaltebecken zu bauen, das die Auswirkungen der zunehmenden Flächenversiegelung eindämmen soll. Infrastrukturplanung absurd!

Derweil steht der ökologische Ruin dem ästhetischen Bankrott in Detmold tapfer zur Seite. Hand in Hand zeigen sie – und dies ist nur ein Beispiel von vielen – was man, in diesem Fall, von der belgischen Partnerstadt hält. Hasselt, das mit einem (fast) kostenlosen ÖPNV den Bau eines Stadtringes für Autos überflüssig machte, widmet man am „Hasselter Platz“ ein Parkhaus mit angeschlossenem Supermarkt. Neben das ehrwürdige und ansehnliche Sozialgericht hingerü(m)pelt befinden sich 200 Autoparkplätze und 10 schmuddelige Fahrradstellplätze, die deutlich machen wo für den Stadtrat die Prioritäten liegen. Die Phantasielosigkeit und Hässlichkeit, dieses Monuments städtebaulicher Regression in Lippe, steht in krassem Gegensatz zu der progressiven Gesinnung seiner wohl verehrtesten historischen Persönlichkeit, der Fürstin Pauline.

Der Fisch stinkt bekanntlich vom Kopf her, und auch wenn Bürgermeister keine Fürsten sind, so haben sie doch erhebliche Möglichkeiten, um ihre Kommunen „fit für die Zukunft“ zu machen – es sei denn es geht Ihnen nur darum möglichst viele Amtszeiten durchzustehen. Eine Stadt für Autos zu planen hat ungefähr so viel Zukunft, wie die Braunkohle und macht Städte hässlicher, statt schöner. „Hass macht hässlich“ sagen viele – und „Hässlichkeit mach Hass“ möchte man reflexhaft ergänzen. Aber in jedem Fall ist die Forschung längst zu dem Ergebnis gekommen, dass sie Angst macht.


Links:

„Natur-Defizit-Syndrom: Grün-Entzug kann Gesundheit schaden“ www.abendblatt.de/vermischtes/article216480465/Natur-Defizit-Syndrom-Gruen-Entzug-kann-Gesundheit-schaden.html

Klaus Bürgle: http://klausbuergle.de/images/radtke/750/radtke_autopilot.jpg