Hier zu sehen die Flächen um die es geht. Links südlich vom Oetternbach, die Balbrede. Ganz rechts im Bild die Flächen auf denen nun Gewerbeflächen entstehen sollen. Taoasis hat ganz links, schon in Lage (nicht mehr im Bild) nun ein Gelände für seine Felder und die Produktion erhalten.
Hier zu sehen die Flächen um die es geht. Links oben, südlich vom Oetternbach, die Balbrede. Ganz rechts unten im Bild die Flächen auf denen nun Gewerbeflächen entstehen sollen. Taoasis hat, ganz links – schon in Lage (nicht mehr im Bild), nun ein Gelände für seine Felder und die Produktion erhalten.

Sehr geehrter Herr Heller, es ist einfach, die Schuld an dem Taoasis-Debakel anderen in die Schuhe zu schieben. Nun soll das Aktionsbündnis: Schützt Menschen und Tiere im Detmolder Westen e.V. als Sündenbock präsentiert werden, um von der Unfähigkeit der politisch Verantwortlichen abzulenken.

Die Stadt Lage hat in einer Sondersitzung des Stadtrates sehr schnell und unbürokratisch eine zukunftsträchtige und richtige Entscheidung getroffen. Detmold hat dazu nicht den Mut und sieht wohl keine Notwendigkeit innovative Betriebe zu halten.

Taoasis bemüht sich seit Jahren um geeignete Gebiete in Detmold, lange bevor die Klage einen nicht ordnungsgemäßen, fehlerhaften und fahrlässigen Bebauungsplan für die Balbrede gestoppt hat. Die Stadt Detmold wollte der Firma Taoasis weder die Balbrede noch den Peterskamp überlassen. Anfragen diesbezüglich wurden mehrfach abgelehnt, weil Taoasis die umliegenden Felder erhalten und beackern wollte. Die Stadt Detmold plante und plant weiterhin möglichst viele Gewerbebetriebe auf den Flächen anzusiedeln. Aus diesem Grund scheiterten die Pläne von Taoasis, nicht wegen der Klage.

Die Menschen der betroffenen Ortsteile (Nienhagen, Heiden, Oettern-Bremke, Jerxen-Orbke) haben immer wieder gebeten, in die Planungen Balbrede, Peterskamp, Oetternbrede einbezogen zu werden. Gesprächs- und Kompromissbereitschaft wurde mehrfach schriftlich und mündlich signalisiert. Weder Sie, Herr Bürgermeister Heller, noch der Stadtrat sind darauf eingegangen. Die Schuld an dem Weggang der Firma Taoasis trägt ganz allein die Detmolder Politik. Die Behüter des Naturschutzgebietes Oetternbach bedauern das besonders. Taoasis als ökologischer Betrieb, mit Lavendelfeldern als Eingangstor von Detmold, hätten zu der Residenzstadt und auch zum Naturschutzgebiet Oetternbach sehr gut gepasst. Die Detmolder Politik hat es nicht zugelassen.

Freundliche Grüße
Pressesprecher Cornelius März
Aktionsbündnis: Schützt Menschen und Tiere im Detmolder Westen e.V.

Die Wohnbau Detmold fällt massenhaft Bäume auf ihren Grundstücken, ohne Rücksicht auf Verluste. Hier ein kerngesunder 60 Jahre alter Ahorn – Foto: Republik Lippe

Während der Kreis Lippe am 7.10.2019 den Klimanotstand ausruft, wie vorher schon andere Städte in Lippe, z.B. Oerlinghausen, holzt eine Detmolder Wohnbau-Genossenschaft am 10.10.2019 munter seine prächtigen und gesunden Baumbestände ab. Das alles für Müllhäuschen, die den Mietern lange Wege zu ihren Mülltonnen bescheren und demnächst vermutlich auch für Parkplätze, die wichtigste aller Immobilienarten. Und das nicht etwa nur in diesen Tagen, sondern seit Jahren. Allein im Bereich Berliner Allee ist der Baumverlust der letzten Jahre erschütternd, besonders auf den Immobilien der Detmolder Wohnbau.

Johanettentaler Str. von hinten.Eine Schneise der Verwüstung und verlorener Blickschutz. Ein Schuft wer hier einen kommenden Parkplatz vermutet, die wichtigste aller Immobilienarten in Detmold. Foto: Republik Lippe

Der Klimaschutz bleibt für den Kreis angeblich ein „wichtiges Thema für den Kreis Lippe„. In Detmold ist davon nichts zu bemerken. Während sich kleine engagierte Initiativen seit Jahren mit viel Herzblut vergeblich für einen Wandel einsetzen, schaffte der Detmolder Bürgermeister, und sein Gruselkabinett eines überalterten Stadtrates, vor drei Jahren erst einmal die Baumschutzsatzung ab. Seitdem wird gerodet und geschottert bis die ehemaligen Gärten den Charme einer Kiesgrube verströmen. Das ist vermutlich auch gut für das Klima.

Bonjour Tristesse! Wohnbau Detmold, Johannettentaler Str. Selbst kleine Bäume sind der Genossenschaft offenbar lästig. Foto: Republik Lippe

Nun also „Klimanotstand“ – jedenfalls vom Kreis Lippe ausgerufen. Und den „Masterplan 100% Klimaschutz“ haben wir ja auch schon – ungefähr so lange wie die Baumschutzsatzung in Detmold abgeschafft wurde. Resultat: erst einmal sollen zwei der brutalsten Umgehungsstraßenprojekte in der lippischen Geschichte durchdrückt werden. (Lage B239, Lemgo B238) Gewissermaßen mehr Verkehr für den Klimaschutz. Das ist so etwas ähnliches wie „Friedensbomben“ (Hans-Dieter Hüsch) https://www.youtube.com/watch?v=KkvEHkikqPw

Doch jetzt hat die Stunde der „Projektideen“, „Maßnahmen“ und „Zukunftsprojekte“ geschlagen. Das bedeutet auf Menschen-Deutsch: bauen, bauen, bauen – und natürlich roden und schottern…

Effektive „Maßnahmen“ hätte man längst ergreifen können, wie z.B. die Abschaffung von „Heizpilzen“ in der Gastronomie. Das kostet nichts und schafft keine neuen Übel. Während andere Kommunen, z.B. Berlin Pankow, längst das gewohnheitsmäßige Heizen der Außenluft mit Elektroheizspiralen unterbunden haben, geschieht dies in Demold gleich Dutzendweise. Das „Extrablatt“, in der Detmolder Fußgängerzone, macht es vor:

Foto: Republik Lippe

24.000 (24 Tausend!) Watt für nicht anwesende Gäste unter diesen drei Sonnenschirmen. An einem durchschnittlichen Abend, an dem Raucher und Freunde des mediterranen Flairs dieses „Al Fresco“-Vergnügen genießen können, wollen, müssen, also sagen wir 4 Stunden, sind das schon mal 96 Kilowatt-Stunden (96kW/h) Vergleichen Sie mal mit Ihrer Stromrechnung… Mein Haushalt verbraucht IM JAHR 914 kW/h… So viel wie das „Extrablatt“ in Detmold an 10 Abenden – nur für das Beheizen der Außenluft. Aber auch das „Outback“, 100 Meter weiter, versucht schon viel länger die Außenluft dem Namensvorbild mit, bekanntlich völlig überteuerter, Elektrizität anzunähern.

Und so geht das Schwätzen und Posieren weiter, während die wirklich effektiven „Maßnahmen“ ignoriert werden. Diese sind:

  • Die sofortige, bzw. schnellstmögliche, Wiederinbetriebnahme und Modernisierung aller Bahnstrecken in Lippe.
  • Verbesserung der Städtischen Busangebote
  • Sofortiger Stopp ALLER Straßenneubauprojekte.
  • Die erhebliche Verbesserung der Bedingungen für Radfahrer
  • Und? Natürlich den Schutz und Erhalt der großen Bäume
  • …und vieles mehr.

Berliner Morgenpost

https://www.morgenpost.de/berlin/article226181153/Fahrradaktivisten-besetzen-die-Schoenhauser-Allee.html

…nur in Lippe schläft man den Schlaf der Gestrigen

Der Parkplatzwahnisnn am Leopoldinum (siehe vorletzen Beitrag) bedeutet mehr Elterntaxis, mehr Verkehr, mehr Umweltbelastung (incl. Teibhausgase, Versiegelung etc.) Wann lernt der Stadtrat endlich was der Begriff „Induzierter Verkehr“ bedeutet?

Seit Sommer 2018 offiziell als Rad- und Fußweg beschildert.
Die Fromhausener Straße zwischen Detmold und Horn

In einem Land wo täglich neue Straßen gebaut werden, obwohl schon die existierenden immer mehr verfallen, gibt es doch gelegentlich auch mal kleine Wunder. Eines der best gehüteten Fahrradgeheimnisse im Kreis Lippe ist die Fromhausener Straße zwischen der Nordstraße in Horn und Fromhausen. Bis 2011 war die Straße als „Schleichweg“ heftigem Durchgangsverkehr ausgesetzt und an der Einmündung zur Nordstraße kam es zu schweren Verkehrsunfällen, weshalb eine Sperrung des Durchgangsverkehrs zuerst kontrovers diskutiert und dann beschlossen wurde.

Das Wiembecketal aus Richtung Holzhausen gesehen

Aus heutiger Sicht, und vor allem aus der Sicht von Radfahrern und Wanderern, die die seltene Schönheit dieser Straße und des Tals an der Wiembecke erleben, mutet diese Diskussion von damals geradezu wunderlich an. Dürften sich doch viele Anwohner, die ursprünglich gegen die Sperrung waren, heute genauso vehement gegen eine Wiedereröffnung einsetzen, wenn sie nicht völlig blind gegen den Reize dieser Landschaft sind, die durch die Sperrung erst erlebbar wurden. Wenn man sich zu Fuß oder per Rad auf der stillen Straße bewegt, oder besser noch, innehält, dann kann man sich lebhaft vorstellen wie unattraktiv dieser Ort wegen des vielen Verkehrs gewesen sein muss, obwohl er direkt am Naturschutzgebiet liegt.

Zum Rosenbusch im Wiembecketal

Wurden vorher die Anwohner täglich von tausenden KFZ belärmt und bedieselt, entwickelt sich diese idyllische Landschaft zwischen Detmold und Horn mittlerweile zu einer Touristenattraktion, wozu nicht zuletzt die Lavendelfelder oberhalb Fromhausens maßgeblich beitragen. Um so erfreulicher, dass sich der Status dieser Straße zwischen den Barrieren seit dem Sommer 2018 verfestigt hat, indem sie als geteilter Fuß- und Radweg ausgeschildert wurde.

Zum Rosenbusch im Wiembecketal

Man mag sich nur etwas wundern, warum Horn und Detmold in ihrem Tourismusmarketing nicht mehr aus dieser Öko-Tourismus-Attraktion machen, ist sie doch das entscheidende Stück einer autofreien Verbindung zwischen den beiden Städten. In dem Dreieck Detmold-Horn-Externsteine ergibt sich durch dieses Filestück ländlicher Schönheit ein Bereich den man als (e-)Radfahrer, mit Trekking- , City- oder Mountainbike, fast ohne Autoverkehr genießen kann.

Mehrere Routen seien hier empfohlen:

  • Detmold Willi Brandt Platz – Allee bis obere Mühle – über die Paderborner Straße in Richtung Freilichtmuseum – den nördlichen Weg entlang des Freilichtmuseums immer geradeaus – immer auf dem Kammweg entlang – Am Friedhof Spork-Eichholz vorbei – den Gustav-Mesch-Weg entlang – Hornoldendorfer Straße 300 Meter in Richtung Hornoldendorf – Links in den geteerten Wirtschaftsweg einbiegen und immer geradeaus (bergab ungeteert) am Naturschutzgebiet vorbei  bis zum Residenzweg – rechts den Residenzweg hinauf zu den Lavendelfeldern – bergab nach Fromhausen – die Fromhauser Straße entlang bis Fieners Hofladen -hinter Fieners Hoflande rechts abbiegen bis Rosenbusch – den Rosenbusch immer geradeaus bis zum Kreisverkehr nahe der Horner Innenstadt
  • Alternativ zu dieser Route kann man hinter dem Weg am Freilichtmuseum den geteerten Linnenkamp bis Hornoldendorf herunterfahren und dann links die Hornoldendorfer Straße hinauf bis zum Wirtschaftsweg auf halber Anhöhe, der rechts abgeht.
  • Alternativ zum Weg von der Oberen Mühle kann man vom Willi-Brand-Platz natürlich auch den „Alten Postweg“ oder die Rosenstraße (etc.) nehmen um zum nördlichen Weg entlang des Freilichtmuseums zu gelangen. Diese haben nur wenig Verkehr.
  • Wenn man „Zum Rosenbusch“ ist kann man ebenfalls ohne Autoverkehr nach Holzhausen und von dort zu den Externsteinen gelangen, indem man die parallel verlaufende, verkehrsfreie Straße „Bockstal“ kreuzt, und jenseits der kurzen, aber steilen, Anhöhe die Externtsteinstraße überquert.

Lippische Landeszeitung vom 28.11.2011:
„Diskussion um Fromhausener Straße hält an“
https://www.lz.de/lippe/horn_bad_meinberg/5212820_Diskussion-um-Fromhausener-Strasse-haelt-an.html

Lavendelfelder oberhalb Fromhausen
Fromhausener Straße als Rad- und Gehweg
Linnenkamp auf dem Weg nach Hornoldendorf
Fromhauser Straße in Richtung Horn
Blick vom oberen Wellnerweg oberhalb Hornoldendorf in Richtung der Lavendelfelder am Osterbergweg oberhalb Fromhausen. Im Hintergund die Velmerstot
https://www.lz.de/lippe/horn_bad_meinberg/5212820_Diskussion-um-Fromhausener-Strasse-haelt-an.html

Detmold, Hornsche Straße im Jahr 2019.

Hierauf haben alle Elterntaxis und Lehrer gewartet. Endlich weichen lästige Bäume und ein Fuß/Radweg einer Abbiegespur und einem Parkplatz! Unsere Sehnsucht wurde erfüllt! Sobald alles fertiggestellt ist heißt es: „Mondays more Motors!“ Endlich kann der Verkehr so richtig in die Stadt gelockt werden und so kriegen wir auch Klimawandel, Ressourcenschwund, Artensterben, Feinstaub und Flächenverbrauch in den Griff. Gleichzeitig müssen wir unsere Kinder nicht mit ihren Fahrrädern auf die gefährlichen Straßen  lassen, wo so viel Verkehr ist – das wäre unverantwortlich! Jetzt heißt es stattdessen „Kiss and ride“.

Detmold knutscht seine Kinder hinterm Steuerrad und schafft Verkehr, weil Verkehr „Wachstum“ fördert und weil immer mehr einfach immer besser ist. Vor allem immer mehr neue Flächen versiegeln, denn in den unendlichen Weiten des Universums haben wir davon ja schließlich reichlich. Elon Musk wird uns mit seinen Space X Raketen schon hinfliegen. Fachleute in der Verkehrsplanung nennen das „Induzierten Verkehr“. Zu Deutsch: Wer Straßen und Parkplätze sät, wird Verkehr ernten. Mit solch schwierigen Begriffen wird aber kein ehrenhafter Stadtplaner, wie unser Herr Zimmermann, seine zart besaiteten Stadträte belasten, sondern ihnen dienstfertig zur Seite stehen, wenn es darum geht solche Fremdwörter zu ignorieren.

Platz für Autos schaffen ist die Zukunft

Also leistet sich die Stadt mit etwas „Renaturierungs“-Bla-Bla an der Werre einen Ablasshandel. Obwohl – für die Renaturierung muss die Stadt ja (fast) nicht(s) selbst bezahlen. Gott sei Dank! Doch, Renaturierungs-Bla-Bla?? In der städtischen Selbstdarstellung lautet das so: „Die Werrerenaturierung greift dabei mit dem Parkplatzneubau auf dem Aschesportplatz ineinander.“ Also genau wie Wolken, Kuckuck und Heim ineinandergreifen, um ein Wolkenkuckucksheim zu basteln, wird die Renaturierung eines früheren Umweltfrevels mit einem neuen Umweltfrevel bezahlt.

Perfekt! Parkplatz for Future! Der Beitrag zu Überschwemmungen, den die Versiegelung des Parkplatzes leistet, wird durch die Renaturierung der Werre in diesem Bereich wieder aufgefangen. Das nennt man dann Hochwasserschutz. Wow! Mit diesem Beispiel für gelungenes Greenwashing können die Lehrer auch gleich noch den Begriff „Nullsummenspiel“ erläutern. Dumm nur, dass der Ascheplatz mehr zum Hochwasserschutz geleistet hat, als der neue Parkplatz „Am Werrebogen“ und was sonst noch so am Leopoldinum neu versiegelt wird.

Das Leben ist eine Abbiegespur

War der oben stehende Text nun eine Glosse? Nicht für die Stadträte Detmolds, denn für die sind ihre Wolkenkuckucksheime bitterer Ernst. Was wäre denn schließlich, wenn die 70er Jahre doch nicht ewig dauerten? Nicht auszudenken! Wie sollten man denn sonst durch die endlosen Weiten des Universums gelangen?

Und so informiert die Stadt Detmold über dieses Zukunftsprojekt:

https://www.detmold.de/startseite/news/news-single-view/?tx_news_pi1%5Bnews%5D=487&tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&tx_news_pi1%5Baction%5D=detail

Endlich Platz für unsere Kinder

Vielfach mehr Suchergebnisse, als die verunglimpften Begriffe „nachhaltig“ und „Nachhaltigkeit“ (jeweils knapp über 30 Millionen), findet man bei Google für das Wort „Zukunft“ (über 210 Millionen). Und welchen nachdenklichen Beobachter beschleicht nicht das Gefühl, dass, je mehr von einer Sache geredet, sie desto weniger praktiziert wird.

Tagein tagaus wird in den Medien und öffentlichen Veranstaltungen darüber schwadroniert, wie man diese oder jene Einrichtung „fit für die Zukunft“ machen kann – und natürlich meint jeder damit etwas anderes. Bei etwas älteren Zeitgenossen hat man oft das Gefühl, dass in ihren Köpfen immer noch beliebte Bildbände aus ihrer Kindheit herumspuken, die so spannende Titel trugen wie „Zukunft – Das Bild der Welt von Morgen“, wo sich Grafiker wie Klaus Bürgle und Günter Radtke mit ihren Science Fiction Phantasien austoben konnten. Eine sterile Welt aus Autobahnen, Wolkenkratzern, Parkplätzen und Glasröhren, wo die wenige Natur aussieht wie das Begleitgrün einer Modelleisenbahn.

Auch Wolkenkuckucksbürgermeister Quasselbacke scheint diese Bücher gelesen zu haben. Für die Ziele der Nachhaltigkeit, des Klimaschutzes und der Artenvielfalt gehen er und seine Stadt mit gutem Beispiel voran und setzen konsequent auf Träume die längst Alpträume geworden sind. Die autogerechte Stadt wird, trotz allen Nachhaltigkeitsgeschwätzes, munter weitergebaut. Es werden Bäume gefällt, Gärten geschottert und Flächen versiegelt – weil es ja so praktisch ist. Das lockt Bienen an, verhindert das Aufheizen des Stadtklimas und bringt buchstäblich Licht in das Dunkel eines fehlgeleiteten Umweltaktivismus. Nicht erst seit Abschaffung der Baumschutzsatzung wird gefällt was die Kettensägen hergeben, zuletzt besonders sichtbar vor dem Arbeitsamt und Jobcenter der Stadt.

Für die Realschule, zwischen Hornscher Straße und Werre, werden ebenfalls Böden versiegelt und Bäume gefällt, um Parkplätze für die ökologischen Elterntaxis zu schaffen, während bereits vor zwei Jahren, in nur 200 Metern Entfernung, dutzende Bäume gefällt wurden, um ein Rückhaltebecken zu bauen, das die Auswirkungen der zunehmenden Flächenversiegelung eindämmen soll. Infrastrukturplanung absurd!

Derweil steht der ökologische Ruin dem ästhetischen Bankrott in Detmold tapfer zur Seite. Hand in Hand zeigen sie – und dies ist nur ein Beispiel von vielen – was man, in diesem Fall, von der belgischen Partnerstadt hält. Hasselt, das mit einem (fast) kostenlosen ÖPNV den Bau eines Stadtringes für Autos überflüssig machte, widmet man am „Hasselter Platz“ ein Parkhaus mit angeschlossenem Supermarkt. Neben das ehrwürdige und ansehnliche Sozialgericht hingerü(m)pelt befinden sich 200 Autoparkplätze und 10 schmuddelige Fahrradstellplätze, die deutlich machen wo für den Stadtrat die Prioritäten liegen. Die Phantasielosigkeit und Hässlichkeit, dieses Monuments städtebaulicher Regression in Lippe, steht in krassem Gegensatz zu der progressiven Gesinnung seiner wohl verehrtesten historischen Persönlichkeit, der Fürstin Pauline.

Der Fisch stinkt bekanntlich vom Kopf her, und auch wenn Bürgermeister keine Fürsten sind, so haben sie doch erhebliche Möglichkeiten, um ihre Kommunen „fit für die Zukunft“ zu machen – es sei denn es geht Ihnen nur darum möglichst viele Amtszeiten durchzustehen. Eine Stadt für Autos zu planen hat ungefähr so viel Zukunft, wie die Braunkohle und macht Städte hässlicher, statt schöner. „Hass macht hässlich“ sagen viele – und „Hässlichkeit mach Hass“ möchte man reflexhaft ergänzen. Aber in jedem Fall ist die Forschung längst zu dem Ergebnis gekommen, dass sie Angst macht.


Links:

„Natur-Defizit-Syndrom: Grün-Entzug kann Gesundheit schaden“ www.abendblatt.de/vermischtes/article216480465/Natur-Defizit-Syndrom-Gruen-Entzug-kann-Gesundheit-schaden.html

Klaus Bürgle: http://klausbuergle.de/images/radtke/750/radtke_autopilot.jpg

Immer wieder hört man bei Gesprächen über umweltfreundliche Verkehrsmittel mit Menschen in OWL die Formulierung „…aber bei uns auf dem Platten Land… …“. Auch wenn große Teile von OWL gar nicht platt sind, so ist damit wohl gemeint, dass die Bevölkerungsdichte zu gering sei, um Alternativen zum Auto sinnvoll nutzen zu können. Allerdings kann diese Annahme nur auf relativen Größen beruhen: natürlich ist die Bevölkerungsdichte in OWL deutlich geringer, als in Berlin, doch im Vergleich z.B. zur Region Freiburg ist sie höher. Und mit diesem, sinnvolleren, Vergleich kann man auch sogleich anschaulich machen, dass erschwinglicher, effizienter ÖPNV „auf dem platten Land“, als alternative zum Auto, durchaus möglich ist. Denn in dem großen Gebiet in und um Freiburg kostet das Monatsabo nur 50 Euro! Für einen vergleichbaren Bereich in OWL kostet es 190 Euro! (Lesen Sie mehr darüber hier und hier.) Wenn man dann noch weiß, dass die Freiburger „80% der Wege in der Stadt umweltfreundlich“ zurücklegen, dann wird einem schnell klar, das OWL noch sehr viel Luft (!) für Verbesserungen hat.

So weit  zum ÖPNV. Aber auch beim Radfahren soll uns die Luft nicht wegbleiben. Laut der Studie „Umweltbewusstsein Deutschland“ des Umweltbundesamtes (Seite 63) können sich rund Zweidrittel der Kleinstadtbewohner vorstellen mehr mit dem Fahrrad zu fahren. Gerade in Kleinstädten macht das Sinn, denn die Wege dort sind kurz und mit dem Fahrrad fast überall schneller von Tür zu Tür zu bewältigen, als mit dem Bus. Und sogar im Vergleich zum Auto sind viele Wege hier mit dem Fahrrad schneller erledigt.

Nun wird auch hier gerne „das Platte Land“ bemüht, um zu erklären warum es ausgerechnet in unserer Stadt nicht geht. Allerdings in einem etwas anderen Sinne: dieses Mal geht es tatsächlich um Berge. Gütersloh und Minden (mit seinem für OWL recht hohen Fahrradanteil) sind für klassische Fahrräder tatsächlich plattes Land und werden somit von der durchschnittlichen „couch-potato“ als ideales Fahrradterrain gesehen. Doch im Zeitalter des Pedelecs (eBike) haben solche Differenzierungen ihren praktischen Sinn verloren. Wer in Detmold oder Blomberg sein Auto mit dem Fahrrad ersetzen möchte, kann dies ganz ohne schweißtreibende Aktivitäten tun. Höchstens die Preise der Pedelecs können Geringverdienern noch den Schweiß auf die Stirn treiben. Für Angestellte und Ihre Arbeitgeber bietet sich anllerdings immer die Möglichkeit des „Jobrads„, um das Pedelecfahren erschwinglich zu machen.

Gefragt sind indes die Kommunen, sich deutlich intensiver um ihre Fahrradinfrastruktur zu bemühen. Der Columbianische Nationalökonom und Bürgermeister von Bogota, Enrique Peñalosa, sagte einst im deutschen Eisenbahnmagazin „Mobil“ (Nr.08, 2008): „Ob eine Stadt zivilisiert ist, hängt nicht von der Zahl ihrer Schnellstraßen ab, sondern davon, ob ein Kind auf dem Dreirad unbeschwert überall hinkommt.“ Von einer solchen Mentalität kann man bei Bürgermeistern in OWL bisher nur träumen. Peñalosa hat viel für einen umweltfreundliche ÖPNV, in seiner bis dahin am Autoverkehr erstickenden Stadt, getan. Er schielte nicht, wie z.B. der Bürgermeister von Detmold, auf die vierte Amtszeit, sondern war besorgt um das Wohl seiner Bürger und setzte Maßnahmen um, die erst unpopulär waren, später aber von einer großen Mehrheit begrüßt wurden. Solche Bürgermeister und Stadträte brauchen wir in OWL!


Studie „Umweltbewusstsein Deutschland“ des Umweltbundesamtes:

http://www.bmub.bund.de/fileadmin/Daten_BMU/Pools/Broschueren/umweltbewusstsein_deutschland_2016_bf.pdf

Die Grenzen des Wachstums, in einem geschlossenen System, verstehen schon Kinder, wenn sie einen Luftballon zu stark aufblasen. Und auch wenn es um Flüchtlinge geht versteht eine Mehrheit, dass es Grenzen der Aufnahmefähigkeit gibt.

Geht es allerdings um die eigenen Ansprüche, also zum Beispiel immer größere Autos fahren zu wollen, immer öfter, immer weiter mit dem Flugzeug zu fliegen und ganz allgemein immer mehr und billiger zu konsumieren und zu verbrauchen, dann scheint das Evidente plötzlich relativierbar und diskutierbar. Die Naturgesetze werden in solchen Diskussionen mit lässiger Geste außer Kraft gesetzt und auch mathematische Grundregeln werden wie lästige Fliegen beiseite gewedelt. Und die Grenzen des Wachstums, im de facto geschlossenen Lebensraum der Menschen, dem Planeten Erde, sind nur noch ein Thema für Öko-Spinner und Spaßverderber.

Und was dem Bürger recht ist, das ist der Politik billig. Sobald es um die eigenen „Goldenen Kälber“ und Wunschvorstellungen geht ist jeder Unfug heilig. Hart gesottene ökonomische Sparschweine, leben mit Hingabe über die Verhältnisse der (globalen) Allgemeinheit. Eine schwarze Null macht eben noch lange keine grünen Sommer. Das ökonomische „Sparen“ lebt vor allem auch von der „Externalisierung“ – der Verlagerung der Kosten auf Andere: die Umwelt, die natürlichen Lebensgrundlagen und andere Menschen, die weniger oder gar nicht davon profitieren. Es ist das Sankt Florians Prinzip und das „I’m allright Jack“ zusammengenommen.

Und OWL ist an vorderster Front mit dabei. Hier hat man das Gefühl die 70er Jahre, das „Goldene Zeitalter“, in einer Dauerschleife zu erleben: Höher, schneller, weiter, – viel, mehr, am Meisten –  obwohl wir seit genau dieser Zeit wissen was und blüht, wenn wir unser Verhalten nicht ändern.

Die Grenzen des Wachstums“ des Club of Rome von 1972 war ein weltweiter Bestseller der bis heute keinen Deut an Aktualität verloren hat, Updates inklusive. Es scheint aber, je mehr wir davon wissen, desto mehr wollen wir ignorieren, dass dieses Gesellschaftsmodell, das das Wirtschaftswachstum zur zentralen Staatstugend erkoren hat, für unsere Kinder und Enkel keine Zukunft schafft. Und nicht nur der Club of Rome, sondern sogar die Ölindustrie sprach ganz unverhohlen z.B. über den drohenden, von Menschen gemachten, Klimawandel, um freilich in der Folge die Fakten sofort wieder umzudeuten, damit das eigene Geschäftsmodell nicht gefährdet würde.

Und weil sie all diese Erkenntnisse ignoriert, kann die Politik in OWL auch unverdrossen weiter neue Umgehungsstraßen, Gewerbeparks und eben „Wachstum“ fordern. Was wir aber wirklich brauchen ist ein neues Geschäftsmodell, das auf dem Prinzip der „Stationären Wirtschaft“ beruht, die schon John Stuart Mill vor fast 150 Jahren für letztlich unabdingbar hielt. Und „letztlich“ ist jetzt, heute. Und bei einer Weltbevölkerung von 7 Milliarden und steigend, können wir auch von unseren Politikern in OWL mehr Ernsthaftigkeit erwarten, als immer nur nach denselben alten Rezepten zu kochen.

Es ist Zeit für den Wandel in OWL. In Lippe bemühen sich schon einige Bürger darum. Und auch in Bielefeld und Gütersloh. Wenn wir es in OWL schaffen können, dann schaffen wir es überall auf der Welt!

Mit einer der teuersten Tarifstrukturen in Deutschland verhindert OWL den Umstieg vom Auto auf die Bahn

OWL, Westfalen (gibt’s das überhaupt als reale verwaltungspolitische Einheit?) oder NRW? Wer für das Monster-Reförmchen des ÖPNV im Osten NRWs letztendlich verantwortlich ist, kann in dem Labyrinth der (politischen) Kompetenzen nur schwer ermittelt werden. Das Wirrwarr überträgt sich jedenfalls nahtlos auf die Preisstruktur und zwar in erster Linie in der Form von grotesk überzogenen Preisen und der Wahlmöglichkeit „Alles, oder zu wenig“ für Menschen die in erster Linie in OWL unterwegs sind, also im Regierungsbezirk Detmold für den wir folgendes feststellen:

Es gibt immer noch keine Monatskarte für Gesamt-OWL, sondern man entscheidet sich entweder für den bisherigen „Sechser“-Bereich (jetzt Teuto-OWL – also die Kreise Lippe, Herford, Minden-Lübbecke, Gütersloh und die Stadt Bielefeld) der „Preisstufe 7“ (jetzt 7W, was wohl für Westfalentarif steht) zum Abo-Preis von sagenhaften €190,70 – oder gleich für GANZ Westfalen (12W), also von der Weser bis an die Holländische Grenze und von Minden bis Dortmund für €241,70. Während letzteres also vergleichsweise attraktiv erscheint, bleibt das Monatsabo 7W unerschwinglich für die meisten Menschen in OWL, die Ihre Mobilität umweltfreundlich und an ihren Bedürfnissen ausrichten wollen.

Denn es stellt sich hartnäckig die Frage, ob die, dieser Preisstruktur zugrundeliegende, Einschätzung des Kundenverhaltens realistisch ist. Bielefeld und Paderborn sind für OWL die Oberzentren, zu denen sich die meisten Menschen hin orientieren, sei es zur Arbeit, zur Uni, oder zum Schoppen. Es dürften wohl eher wenige von Detmold nach Coesfeld pendeln, oder zum Einkaufen fahren.

Doch über all diesen Überlegungen schweben ohnehin die, seit Jahrzehnten offenbar klaglos hingenommenen, exorbitanten Preise für Einzel- und Monatstickets. Der vergleichsweise moderate Preis für das Westfalentarif-Gesamtnetz kann nicht über die insgesamt inakzeptablen und – man muss es immer wieder sagen – ungerechten Preise hinwegtäuschen. Mit €190,70 ist das Monatsticket W7 vier Mal teurer, als das Monatsticket der vergleichbaren Region Freiburg. Man stelle sich vor, was los wäre, wenn die Autos oder das Benzin in OWL vier Mal teurer wären, als in der Region Freiburg…

Die Situation zeigt, wie wenig den politisch verantwortlichen in NRW und in der Region die umweltfreundliche Mobilität ihrer Bürger am Herzen liegt. Und es gälte in der Tat juristisch zu klären, ob solche erheblichen Benachteiligungen einer Region bei der Mobilität überhaupt rechtens sein können. Gerecht sind sie in jedem Fall nicht.

Dass es ganz in der Nähe auch anders geht, kann man im Landkreis Hameln-Pyrmont erleben. Während die Einführung des „Westfalen-Tarifs“ wie selbstverständlich dafür benutzt wurde die Monatskarten-Preise der Preisstufe 7 weiter anzuheben, geht man in Hameln-Pyrmont andere Wege, mit erwartbaren Resultaten. Die „Neue Woche“ aus Hameln schreibt dem 1. Kreisrat des Landkreises Hameln-Pyrmont, Carsten Vetter, die Aussage zu, dass sich der Verkauf von Monatskarten, direkt nach der Einführung der neuen Tarife, verdreifacht hat.

Der Geschäftsführer der „Öffis“, Arne Behrens, wird in der „Neuen Woche“ so zitiert: „Zurzeit gehen wir aufgrund von Befragungen unserer Mitarbeiter von rund 20 Prozent Neukunden aus. Monatskarten und Abo haben nicht nur hinsichtlich der Stückzahl, sondern auch bei den Einnahmen deutlich zulegen können. Es handelt sich mindestens um eine Verdopplung der geplanten Einnahmen. Wenn sich die Entwicklung so fortsetzt, haben wir bei Monatskarten und Abo die Chance, die 1 Millionen-Euro-Marke zu knacken“.

Während also in Hameln-Pyrmont die Preise für Zeitkarten um 50% gesenkt wurden, kennen sie in OWL nur eine Richtung: nach oben. Die Preisstufe 7 ist im August immerhin um ca. 3% teurer geworden. Die Fahrrad-Monatskarte sogar um 33% von €20.- auf €30.- !  Warum die Lage so ausweglos ist, darüber darf man gerne spekulieren, aber die zum Teil auf Verschleiß fahrenden Eisenbahnen und die immer weiter zurückgebaute Schieneninfrastruktur, dürften einen, durch preiswerte Monatskarten ausgelösten, Ansturm der Fahrgäste kaum bewältigen. Systematisch und vermutlich mutwillig wurde kostbare Infrastruktur zu Gunsten des Autoverkehrs jahrzehntelang vernachlässigt. In dieser Gewohnheit hat man sich offenbar eingerichtet. So werden z.B. Bahnhöfe zu „Haltepunkten“ rückgebaut, weshalb Verspätungen immer schlechter auszugleichen sind. Und anstatt alles nur erdenklich Mögliche zu tun, um im Sinne der ehrgeizigen, aber in diesem Lichte völlig unrealistischen, Klima- und Umweltschutzziele unserer Regierungen, den ÖPNV in das 21. Jahrhundert zu bringen, befindet man sich eher auf dem Niveau der 70er Jahre.

Was die Software im Diesel-Skandal zum Hardwareproblem der Autos ist, das ist der Westfalen-Tarif zum Eisenbahn-Infrastruktur-Problem der Region.