{"id":529,"date":"2022-06-23T20:50:08","date_gmt":"2022-06-23T18:50:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.republiklippe.de\/blog\/?p=529"},"modified":"2022-06-24T09:55:03","modified_gmt":"2022-06-24T07:55:03","slug":"%ef%bb%bfstaedtebaulicher-krampf-bauvorhaben-detmold-pinneichen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.republiklippe.de\/blog\/2022\/06\/23\/%ef%bb%bfstaedtebaulicher-krampf-bauvorhaben-detmold-pinneichen\/","title":{"rendered":"Bauvorhaben Detmold Pinneichen: \ufeffSt\u00e4dtebaulicher Krampf"},"content":{"rendered":"\n<p>Eichenhof Pinneichen Detmold aus der Luft 70er Jahre &#8211; Foto: Urheber unbekannt<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:31px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p>Welcher Architekt\nw\u00fcrde es gerne von der Hand weisen? Das Bauen in einer Stadt, ist nicht nur ein\nfunktionaler Akt, sondern eben vor allem auch ein \u00e4sthetischer. Die \u00c4sthetik\naber, in Kommunikation mit der Topographie und dem Klima, ist das was einer Stadt\ndas Besondere gibt: ihr unverwechselbares \u201eGesicht\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun l\u00e4sst sich\n\u00fcber \u00c4sthetik vortrefflich streiten. Die Eine liebt Kiosk-Charme mit Parkplatz-Flair,\nder Andere sehnt sich nach antiken Piazze mit architektonischen Meisterwerken, von\nexquisiten G\u00e4rten und Parks eingerahmt und von unbegreiflicher Sch\u00f6nheit. Ersteres\nist ein Geschmack, der eher aus der Not geboren scheint, irgendwie lobenswert,\naber auch ein wenig Mitleid provozierend. Letzteres ein Ideal zu dem jedes Jahr\nAbermillionen von Menschen pilgern, um die an diesen Orten gemachten Selfies in\nalle Welt zu verschicken. <\/p>\n\n\n\n<p>In unseren Zeiten\nund vor allem auch in unserem Land, steht urbane Sch\u00f6nheit im Ruch wenig\nfunktional zu sein. So ist das Wenige erhaltene Sch\u00f6ne noch mehr dazu verdammt\nreine Kulisse zu werden. Der Kontrast zum H\u00e4sslich-Funktionalen wird schroffer.\nDass es aber \u00fcberhaupt dazu kommt ist meist ein Resultat aus der Multiplikation\ndes fehlenden Geldes mit der fehlenden Phantasie. Doch gelegentlich kann auch\nzuviel Geld in Kombination mit fehlender Phantasie Stadtbilder dauerhaft\nzerst\u00f6ren. Welcher Kombination nun die Pinneichen in Detmold zum Opfer fallen,\nm\u00fcssen wir vorerst abwarten. <\/p>\n\n\n\n<p>Ein kurzer Blick auf das Satellitenbild von Google Maps scheint f\u00fcr dieses Areal eher ganz laut \u201ePARK\u201c zu schreien. Und allem Anschein nach sahen es die am 2.6.2022 zur \u201eB\u00fcrgerversammlung\u201c in der Grundschule Jerxen-Orbke eingeladenen B\u00fcrger genauso. Jedenfalls wenn man sie um ihr Handzeichen der Zustimmung f\u00fcr eine \u201enur Park\u201c-L\u00f6sung (also gewisserma\u00dfen einer Parkvergr\u00f6\u00dferung, allerdings inklusive Kita-Neubau) bat. Der Applaus zu \u00c4u\u00dferungen so einiger B\u00fcrger, die in diese Richtung gingen, tat ein \u00dcbriges diesen Eindruck zu erh\u00e4rten. Denn viele sachkundige Einw\u00e4nde der Anwesenden machten deutlich, dass die Bebauung, auf dem Gel\u00e4nde des ehemaligen Sportplatzes, ein st\u00e4dtebaulicher Krampf w\u00e4re, der nur wenig gegen die \u201eWohnungsnot\u201c (die man wohl aufgrund immer h\u00f6herer Quadratmeteranspr\u00fcche der Wohnbed\u00fcrftigen, lieber \u201eWohnanspruchsnot\u201c nennen sollte) in Detmold bewirken, aber das unmittelbare Umfeld, und nicht zuletzt die Pinneichen, schwer belasten w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei einem\nJahresbudget der Stadt Detmold von ca. 260 Mio. Euro w\u00e4re, bei 200 Euro\/m\u00b2\nBodenpreis, der Erl\u00f6s durch den Verkauf f\u00fcr 1 ha Sportplatz, zwar nett aber\nnicht weltbewegend. F\u00fcr die Stadt Detmold aber offenbar ein satter Happen, f\u00fcr\nden man alle Pr\u00e4tentionen einer \u201eKulturstadt im Teutoburger Wald\u201c gerne fahren\nl\u00e4sst. Denn, wie schon angerissen, ist nat\u00fcrlich die St\u00e4dte-Bau-Kultur ein\nelementarer Teil der Kultur insgesamt. Durch die Verfehlung, das Eckgrundst\u00fcck mit\ndem alten Geb\u00e4ude an der Kreuzung Lagesche Str. \/ Wittekindstra\u00dfe (g\u00fcnstig!) aufzukaufen\nund, inklusive der ehemaligen Sportvereinsr\u00e4ume, in ein potentielles\nParkerweiterungskonzept zu integrieren, ist das Kind aber bereits in den\nBrunnen gefallen. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" width=\"628\" height=\"420\" src=\"http:\/\/www.republiklippe.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Eichenhof-Pinneichen-1950er-Jahre-Urheber-unbekannt.jpg\" alt=\"Eichenhof Pinneichen 1950er Jahre - Urheber unbekannt\" class=\"wp-image-531\" srcset=\"http:\/\/www.republiklippe.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Eichenhof-Pinneichen-1950er-Jahre-Urheber-unbekannt.jpg 628w, http:\/\/www.republiklippe.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Eichenhof-Pinneichen-1950er-Jahre-Urheber-unbekannt-300x201.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 628px) 100vw, 628px\" \/><figcaption>Eichenhof Pinneichen 1950er Jahre &#8211; Foto: Urheber unbekannt<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Einst stand an\ndieser Stelle der \u201eEichenhof\u201c, der dieser Kreuzungsecke ein freundliches helles\nGesicht verliehen hatte und wo Alt und Jung sich erfrischen konnten. Er gab dem\nSportplatz und dem W\u00e4ldchen einen einladenden Fokus, der zwischen dem\nsportlichen und nat\u00fcrlichen Teil des Gel\u00e4ndes vermittelte und das Ganze zu einer\nstimmigen Stadt\u00e4sthetik zusammenf\u00fchrte, die Nutzen und Erholung verband. Sp\u00e4ter\nzog in das Geb\u00e4ude eine Anwaltskanzlei ein und, nachdem diese das Geb\u00e4ude und\nGrundst\u00fcck vor ein paar Jahren aufgegeben und verkauft hatte, beeilte sich die\nStadt dem K\u00e4ufer eine Baugenehmigung zu erteilen und schaffte so Fakten.<\/p>\n\n\n\n<p>Anstatt das\nGeb\u00e4ude zu erhalten, und neuen parkgerechten Nutzungen zuzuf\u00fchren, sollen hier in\neinem massiven dreist\u00f6ckigen Riegel Seniorenwohnungen und Gesch\u00e4fte entstehen. An\nBanalit\u00e4t und Unsensibilit\u00e4t ist diese Idee kaum zu \u00fcberbieten. Die alten\nMenschen sollen also an einer der lautesten und emissionsst\u00e4rksten Kreuzungen\nDetmolds \u201eentsorgt\u201c werden und dazu etwas Einzelhandel gewurschtelt werden. <\/p>\n\n\n\n<p>Doch die B\u00fcrgerschaft\n(z.B. mit einem <a href=\"https:\/\/www.buergerrat.de\/\">B\u00fcrgerrat<\/a> als\nBeteiligungs- und Transparenz-Institution) wird in Detmold nicht gerne im\nVoraus und wirklich vorausschauend konsultiert, sondern lieber notgedrungen, bei\nder gesetzlich vorgeschriebenen \u201eB\u00fcrgerbeteiligung\u201c, vor halb vollendete\nTatsachen gestellt, die sich in diesem Fall vor allem an besagtem Abriss des\nehemaligen \u201eEichenhof\u201c offenbaren. Somit kann es, im Fall der Pinneichen\u201c f\u00fcr die\neilig formierte \u201eArbeitsgruppe\u201c \u201eLebenswertes Detmold\u201c nur noch um\nSchadensbegrenzung gehen. Und der wahrscheinliche Schaden, gerade auch f\u00fcr das Pinneichenw\u00e4ldchen,\nist betr\u00e4chtlich. Denn es soll ja nicht nur der Seniorenriegel entstehen,\nsondern auf dem Sportplatzgel\u00e4nde auch weitere Wohnh\u00e4user. Und f\u00fcr diese werden\nZufahrtswege, die Feuerwehr- und M\u00fcllabfuhrtauglich sind, ben\u00f6tigt. Mit anderen\nWorten: nach dem Massaker an den wunderbaren alten Eichen des ehemaligen \u201eEichenhof\u201c,\nstehen weitere zahlreiche Baumf\u00e4llungen an, wenn solche Pl\u00e4ne Realit\u00e4t werden\nsollten. Das wird jedem klar, der sich das Gel\u00e4nde bei Google Earth anschaut.<\/p>\n\n\n\n<p>Die \u201eKulturstadt im\nTeutoburger Wald\u201c und der Kreis Lippe sind fortw\u00e4hrend damit besch\u00e4ftigt historische\nLand-, Bau- und Stadtkultur zu beseitigen und dabei ihr Gesicht zu verlieren. \u00dcber\nKlima-, Umwelt- und Ressourcenschutz wird dabei gerne viel geredet und keine\nGelegenheit ausgelassen eine h\u00fcbsche Greenwashing-Kulisse zu pr\u00e4sentieren, wie\nz.B. den 1 Million Euro teuren \u201e<a href=\"https:\/\/www.klimapakt-lippe.de\/2016\/04\/20\/masterplan-fuer-den-klimaschutz-kreis-lippe-ist-bundesweite-vorbildkommune\/\">Klimapakt\nLippe<\/a>\u201c von 2016. Wer erinnert sich noch? Gut, man musste das nicht selbst\nbezahlen, denn der Bund hatte diese vierj\u00e4hrige Arbeitsbeschaffungsma\u00dfnahme\nfinanziert, f\u00fcr junge Fachleute, die \u201eirgendetwas mit Nachhaltigkeit\u201c machen\nwollen. Es gibt Schlimmeres und wenn man mit fremdem Geld gut aussehen kann,\nhey!\u2026 Man w\u00fcrde sich nur w\u00fcnschen, dass Stadt und Kreis bei ECHTEN\nNachhaltigkeitsprojekten, wie z.B. der Einf\u00fchrung von Bahn und \u00d6PNV in die\nJetztzeit, genauso viel F\u00f6rdermittelacquiseintelligenz entwickeln w\u00fcrden. Luft\nanhalten auf eigene Gefahr!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eichenhof Pinneichen Detmold aus der Luft 70er Jahre &#8211; Foto: Urheber unbekannt Welcher Architekt w\u00fcrde es gerne von der Hand weisen? Das Bauen in einer Stadt, ist nicht nur ein funktionaler Akt, sondern eben vor allem auch ein \u00e4sthetischer. 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